Digitale Kirche ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Im April 2017 habe ich einen Artikel darüber geschrieben, was mir als ehemals Kirchenferne im Hinblick auf digitale Kirche wichtig ist. Seitdem hat sich in Sachen digitale Kirche einiges getan, aber mein Blick hat sich auch verändert. Seit meiner Taufe im Herbst 2017 bin ich ganz offiziell Teil von Kirche. Genauer gesagt der evangelischen Landeskirche in Baden. Auch wenn das was die digitale Kirche angeht gar nicht so wichtig ist, denn da bin ich einfach Teil der weltweiten Gemeinschaft der Christen.

Konfessionelle und landeskirchliche Grenzen spielen bei der digitalen Kirche kaum eine Rolle und das finde ich auch gut so.

In den sozialen Netzwerken, auf denen ich aktiv bin, habe ich meine Taufe thematisiert, weil sie ein wichtiges Ereignis in meinem Leben war. Ich bin erstaunt, wie viele Bekannte mich in den folgenden Monaten darauf angesprochen haben und wie viele interessante Gespräche sich daraus ergeben haben. Das hat mir deutlich gezeigt, dass die Sichtbarkeit des christlichen Glaubens und der Kirche eine Aufgabe aller Christ*innen ist. Wir dürfen die Verantwortung dafür nicht auf die, (zu) wenigen Hauptamtlichen, die spezifisch für digitales zuständig sind abschieben. Schon jetzt lebt die digitale Kirche von der Vielfalt der Akteure. Unter Hashtags wie #digitaleKirche oder #dnkgtt sind überwiegend hauptamtlich für die Kirche tätige zu finden. Dabei gehen, diejenigen die sich ehrenamtlich engagieren manchmal etwas unter. Nicht unbedingt, weil sie nicht auf Facebook, Twitter, Instagram und co aktiv sind, sondern weil sie auf den offiziellen Kanälen der Kirchen weniger vorkommen.

Ich würde mir wünschen, dass Ehrenamtliche, aber auch jene Christinnen und Christen, die eher nur bei Feiertagen und Kasualien mit der Kirche zu tun haben sichtbarer werden. Diese Gruppe ist die Basis der Kirche und viel zu häufig unsichtbar, auch im Digitalen. Wenn ich mich im Kontext der digitalen Kirche bewege, bekomme ich teilweise den Eindruck, dass diese nur aus „Superchristen“ besteht. Aus Menschen, die ihren Glauben zum Beruf gemacht haben, aus Menschen, die wahnsinnig kirchlich engagiert sind oder aus „superfrommen“. Wenn man das sieht ohne viel mit Kirche am Hut zu haben kann man das Gefühl bekommen, dass es keinen Platz für die gibt, denen der Glauben und die spezifische Sprache fremd ist, dass es keinen Platz gibt für die eigenen Zweifel, dass es keinen Platz für die gibt, die sich nicht kirchlich engagieren möchten oder können. Dabei bietet gerade die digitale Kirche durch ihre Niederschwelligkeit die Chance eine Heimat für viele sein zu können, für den Evangelikalen genauso, wie für eine neugierige Konfirmandin, für eine Pfarrerin, für Introvertierte, für Menschen, die sich in der Gemeinde vor Ort nicht so wohl fühlen oder für einen Vater, der durch die Taufe seines Kindes zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder Kontakt mit Kirche hat. Das Netz bietet Chancen für Menschen, die sich nicht an eine klassische Kirchengemeinde binden können oder wollen im Netz eine Gemeinde ähnliche Gemeinschaft zu finden, zu der natürlich auch Menschen mit Gemeindebindung gehören.

Es gibt schon eine große Vielfalt in der digitalen Kirche, sie muss nur sichtbarer werden! Dazu sollte man sie fördern und das ist dann Aufgabe derer, die hauptamtlich an digitaler Kirche arbeiten. Langfristig sollte man außerdem über digitales Ehrenamt nachdenken. Digitale Kirche basiert jetzt schon zu einem Großteil auf dem ehrenamtlichen Engagement vieler. Das ehrenamtliches Engagement auch mit der Flexibilität des Netzes gut funktioniert kann man z.B. bei der #twomplett oder #twaudes sehen. Außerdem ermöglicht die örtliche und teilweise auch zeitliche Flexibilität eines solchen Ehrenamtes Menschen sich zu engagieren, denen es sonst wegen beruflichen, gesundheitlichen oder familiären Gründen nur schwer möglich wäre. Digitales Ehrenamt hat also ein großes Potential.