Der Unterschied zwischen Automatisierung und Autonomisierung

Wer hat den Unterschied wirklich verstanden? Dabei ist die Unterscheidung gar nicht so schwer: Eine Roboterzelle, in der Automobile gefertigt werden, ist hoch automatisiert, aber keineswegs autonom. Denn alles was hier geschieht, haben Programmierer im Vorfeld entworfen, getestet, optimiert und die technischen Systeme gewährleisten lediglich ein beeindruckendes Maß an präziser Reproduktion von Bewegungs- und Montageabläufen. Autonomes Handeln jedoch würde Entscheidungen in individuellen Situationen erfordern, für die diese automatisierten Prozesse nicht geschaffen sind — Wenn statt eines erwarteten Automobils eine Jacht in die Roboterzelle rollen würde, “wüssten” die Roboter damit nichts anzufangen.

Anders bei ART, der autonomen Straßenbahn, die auf Rädern zwar virtuellen Schienen folgt, jedoch auch den Verkehr beobachtet und ohne Fahrer auskommt. Dieses Fahrzeug bewegt sich also autonom durch eine sich verändernde Umwelt und reagiert auf diese: Autonom. Genauso die Verkehrsflugzeuge von Boeing, die künftig ohne Pilot/in auskommen sollen oder auch die Frachtschiffe, die ohne Besatzung eigenständig fahren werden. Wohingegen das Rolls-Royce Containerschiff, bei dem der Kapitän an Land mit der VR-Brille hantiert, nicht autonom sondern “nur” hochautomatisiert unterwegs ist. Leider haben diese Unterscheidung aber auch viele Journalisten, die teilweise für durchaus spezifische Fachzeitschriften arbeiten, noch nicht wirklich verstanden und machen ständig erneut den Fehler, diese Begrifflichkeiten nicht angemessen trennscharf zu verwenden.

Das Problem dabei: Wenn Automatisierung mit Autonomisierung in einen Topf geworfen wird, kann man nicht mehr erkennen, ob es sich denn nun um Fragen der Technikethik oder der Maschinenethik handelt. Containerschiffe, die von einem Kapitän an Land mit VR-Brille gesteuert werden, sind kein Fall für Maschinenethik, weil diese Schiffe keine Situationen “eigenständig” entscheiden werden. Ganz anders bei den erwähnten Verkehrsflugzeugen, die ggf. über eine ziemlich große Zahl an Menschenleben entscheiden müssen, wenn Situationen eintreten, bei denen bisher die Pilotinnen und Piloten in Sekundenbruchteilen die Lage bewerten und Entscheidungen zu treffen hatten. Auch die Unterscheidung, dass bei Robotern nicht immer notwendigerweise auch von künstlicher Intelligenz die Rede sein muss (wie oben ausgeführt verfügen Montageroboter bisher keineswegs über KI), wird häufig nur implizit, wenn überhaupt, berücksichtigt.

Kurzum: Mein Apell lautet, künftig doch bitte verstärkt darauf zu achten, ob wir von automatisierten Systemen (Roboter, Fertigungsstraßen, Abfolge von definiertem Verhalten) oder aber autonomen Systemen (selbstständige Entscheidungen von Transportmitteln bspw. im Fracht-, Straßen- oder Luftverkehr) sprechen — und die dabei notwendigen Folgen/Kriterien beachten.

Denn ohne diese Unterscheidung trauen wir Robotern üblicherweise heute zu viel — und der künstlichen Intelligenz eher zu wenig zu.