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        <title><![CDATA[Stories by Maria Reimer on Medium]]></title>
        <description><![CDATA[Stories by Maria Reimer on Medium]]></description>
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            <title>Stories by Maria Reimer on Medium</title>
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            <title><![CDATA[Bedeutungsschwanger]]></title>
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            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Tue, 31 Oct 2017 16:20:24 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2017-10-31T16:20:24.067Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Der Mann zwingt mich, meine alten Backups aufzuräumen. Es ist Feiertag, ich bin im Mutterschutz, habe keine anderen Punkte mehr auf meiner To Do-Liste und bin gerade vom Mittagsschlaf aufgewacht. Mir fällt keine Gegenwehr ein.</p><p>Ich schaue Backup um Backup und Ordner um Ordner an, die alle hilfreich benannt (“Dinge”, “Arbeiten”, “Rest”) und selbstverständlich ohne Jahresangabe sind, und blicke in die Abgründe von ca. 2002–2014. Ich weiß jetzt wieder, warum ich vor Jahren eine Cringe Night in meiner Stammkneipe ausrichten wollte und auch, warum ich bis heute niemanden gefunden habe, der mitmachen wollte.</p><p>Es taucht eine Perle nach der nächsten auf. Eine Liste mit Ideen für einen Buchtitel (Lieblingsvorschlag: “Das sagt einem ja keiner, dass 18 nicht die einzige Altersgrenze im Leben ist”). Eine Liste mit Erkenntnissen, wie ich noch besser Handball spielen kann (Lieblingspunkt: “Das Denken einstellen”). Die Mutter aller Listen.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/613/1*06flnb7UCXXblRgpzZLBPw.png" /><figcaption>[Statt Psychoanalyse.]</figcaption></figure><p>Die Datei, die auf keiner Festplatte fehlen darf.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/251/1*ZjvjXLs19p6YFIIQBmEi0g.png" /><figcaption>Ah ja.</figcaption></figure><p>Ein Screenshot der Phrasendreschmaschine, meines ersten und bislang einzigen Codeprojekts, das ich happy und hyper auf dem <a href="https://events.ccc.de/congress/2012/wiki/">29c3</a> im Jahr 2012 zusammen gebaut habe.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/1024/1*lq30j6YvynP7sArhpngLWA.png" /><figcaption>Was war das für ein 1a Congress! ❤</figcaption></figure><p>Einen Beweis, das ich mich trotz twitterinduzierter Eichhörnchenaufmerksamkeitsspanne offenbar über lange Jahre für dieselben Dinge interessieren kann.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/657/1*ITZbUY1HLC0QVzJZICCVfg.png" /></figure><p>Eine Tabelle mit dem Arbeitsprotokoll meiner ersten Monate für die <a href="http://www.okfn.de">Open Knowledge Foundation Deutschland</a>, die bis heute mein großartiger Arbeitgeber ist.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/599/1*k1M3Ke11NxCLG9GdXaH_Tw.png" /><figcaption>❤ für f<a href="https://twitter.com/fukami?lang=de">ukami</a>. Akribische Dokumentation ftw!</figcaption></figure><p>Und ein Foto von 2011.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/1024/1*5RhvcvHinQbjowdrtpPl3g.jpeg" /><figcaption>Sommer in Berlin-Friedrichshain</figcaption></figure><p>Ich bin überrascht, wie leichthändig es mir gelingt, alles außerhalb des nun neuen Ordners “maria-retten” zu löschen. Vielleicht ist das dieses Älterwerden, die magische Vorgeburtsstimmung oder beides.</p><p>Aber vielleicht schreib ich doch besser noch schnell eine Jahreszahl dahinter.</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=fdb198eb914a" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Die Jubiläumsfolge Logbuch:Netzpolitik]]></title>
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            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Sun, 06 Nov 2016 08:10:21 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-11-06T08:16:59.258Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Gestern war ich — neben <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anke_Domscheit-Berg">Anke</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Domscheit-Berg">Daniel-Domscheit-Berg</a>, <a href="http://www.spiegel.de/impressum/autor-15954.html">Judith Horchert</a> und <a href="https://www.youtube.com/user/RaykAnders">Rayk Anders</a> — Sendungsgast bei der 200. Folge von <a href="http://logbuch-netzpolitik.de/">Logbuch:Netzpolitik</a>. Was für eine Ehre! Und was für ein feiner Abend in einer <a href="http://ehemaliges-stummfilmkino-delphi.de/">tollen Location</a>, mit einem <a href="https://twitter.com/derPepo/status/794975288929165312/photo/1">Publikum voller Ultras</a> und einer sensationellen <a href="https://twitter.com/malienamadrina/status/794997603108786176">Liveillustration</a>. Und vor und zwischen alldem zwei, ich glaube, gerührte und sehr glückliche Hauptdarsteller: Linus Neumann und Tim Pritlove.</p><p>Die beiden haben die Standing Ovations gleich zu Beginn völlig Zurecht bekommen. Logbuch:Netzpolitik ist eine wichtige (und netterweise noch sehr unterhaltsame) Schraube in einem dieser dicken Bretter, die wir durchbohren müssen und dabei nicht müde werden dürfen — auch, wenn es bedeutet, fünf Jahre lang einen Morgen (jaja) in der Woche schlechte Nachrichten zu verbreiten.</p><p>In der Jubiläumsfolge haben sich Tim und Linus deshalb für den Kontrast mal mit guten Nachrichten und hoffnungsvollen Ideen befasst. Und ich durfte dabei sein und etwas über meine bisherigen Lessons Learned aus Zivilgesellschaft, Bundestag und Jugend hackt bzw. der großartigen <a href="https://okfn.de/">Open Knowledge Foundation Deutschland</a> erzählen.</p><p>Zwei Dinge sind mir im Nachhinein noch aufgefallen, die ich nachliefern wollte. Erstens: Irgendwie habe ich vergessen zu sagen, was <a href="https://jugendhackt.org/was-ist/">Jugend hackt</a> überhaupt ist und macht… Ähem. Für den Fall, dass das nicht alle kennen, hier mein Elevatorpitch (Keller bis EG): Jugend hackt ist ein gemeinnütziges Förderprogramm für junge Nerds und Nerdinnen und solche, die es werden wollen.</p><p>Und das zweite: Ich habe darüber gesprochen, wie ich bei Transparency Deutschland gelernt habe, nicht wild für die gute Sache drauflos zu arbeiten, sondern Gelegenheitsfenster zu sehen und diese effektiv zu nutzen. Dazu gibt es eine sehr gute Anekdote. Sie geht so (<a href="https://www.transparency.de/Die-Gruendungsgeschichte-von-T.1420.0.html?&amp;no_cache=1&amp;sword_list%5B%5D=schr%C3%B6der">und steht hier</a>):</p><blockquote>Bei „einer der Besuchstouren, die wir gemacht haben, um die steuerliche Absetzbarkeit von Bestechungsgeldern zu Fall zu bringen“<a href="https://www.transparency.de/Die-Gruendungsgeschichte-von-T.1420.0.html?&amp;no_cache=1&amp;sword_list%5B%5D=schr%C3%B6der#_ftn47">[47]</a>, treffen sich [Anke Martiny und Michael Wiehen von Transparency] mit Ludwig Stiegler und Ingrid Matthäus-Meier, der damaligen finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, in der Lobby des alten Bundestags. Michael Wiehen: „Wir haben ihr [Matthäus-Meier] gesagt, dass der Gesetzentwurf, den ihre Kollegen ihr vorgelegt haben, unvollständig ist und ein ganz wesentlicher Punkt fehlt. Bei der Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit fehlte der Punkt, dass Steuerbehörden und Staatsanwälte sich einander gegenseitig informieren müssen, wenn sie Hinweise auf Korruption haben. Dann hat sie gesagt, und das ist kaum glaubhaft, aber sie sagte: ‚Herr Wiehen, wenn Sie mir bis morgen früh um 9 Uhr einen Entwurf vorlegen, dann werde ich sehen, was ich machen kann. Das war am Nachmittag um sechs. Und am nächsten Morgen um 9 hatte sie das auf dem Schreibtisch liegen. Und am Mittag um 12 war es Gesetz in Deutschland. Ohne uns wäre diese gegenseitige Hinweispflicht nicht im Gesetz erschienen. Das hätte man vielleicht ein Jahr später reinsetzen können, aber ob das passiert wäre, ist fraglich. Wir haben damit unmittelbar, hautnah die Gesetzesformulierung beeinflusst.“</blockquote><p>So läuft’s. Und das ist die gute Nachricht: Rein in die Parlamente (oder zumindest die Vorhallen und Sachverständigenanhörungen) und Einfluss nehmen! Und das Bloggen über eure Interessen und Fachgebiete nicht vergessen. Es funktioniert.</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=f28c78093bd0" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Migration und Müßiggang (Schluss)]]></title>
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            <category><![CDATA[marokko]]></category>
            <category><![CDATA[migration]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Tue, 15 Mar 2016 22:46:16 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-03-26T14:34:21.505Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Marrakesch liegt vor einer Wahnsinnskulisse, am Fuße der 4000er des Atlasgebirges. Kulisse ist wohl auch das richtige Stichwort, denn Marakkesch ist Filmstadt, beliebter Drehort und auch Ort für die Filmszene, überall hängen Poster für die nächste Biennale. Die üblichen halbfertigen, halb abgerissenen, kurz nach dem Bau schon wieder dem Verfall preisgegebenen Häuser und Bauten findet man im inneren Stadtbild nicht, alles ist groß und pompös und hergemacht. Dazu teilen prächtig begrünte, breite Mittelstreifen fast wie Flaniermeilen die stadtwärts führenden Straßen.</p><p>Auf dem Weg in die Innenstadt werden wir von einem Polizisten (in Marokko: eher einschüchternde Uniform, weiße Plastikarmschoner, Sonnenbrille) angehalten. Es stellt sich nicht nur heraus, dass wir nicht links hätten abbiegen dürfen, sondern auch, dass wir keine gültige Versicherung für unser Auto dabei haben. Wir verfluchen innerlich unsere Versicherung (Provinzial). Leichte Hektik kommt auf, uns wird klar, das wird teuer, und dem Polizisten wird klar, dass es uns klar wird. Hin und her geht das Gespräch, wir stellen uns ein bisschen dumm wegen der Versicherung und der Polizist verliert die Lust, bis wir die finale Phase erreichen, den Eingangsvorwurf des illegalen Linksabbiegens. Er: “Qu’est-ce qu’on va faire?” Die Frage aller Fragen, und endlich kriege ich Oberwasser. Ich hab nicht umsonst jahrelang bei Transparency International (Anti-)Korruptionserfahrung gesammelt. Ich: “Je sais pas, combien ca coute?” Er: “700 Dirham (70 Euro).” Ich denke: Nie und nimmer kostet die Strafe für’s Linksabbiegen 70 Euro. Sage: “Nous n’avons pas 700 Dirham.” Ich weiß, dass er jetzt nicht ohne Gesichtsverlust sagen kann “na gut, dann eben [weniger] Dirham”, und er weiß, dass ich es weiß. Er sagt streng “faite attention!” und lässt uns fahren.</p><p>Die Altstadt ist dann kompletter Overkill. Das erste Mal sehen wir viele andere, weiße Tourist/innen und erleben erstmals die stereotype Angeierung durch Verkäufer in einer vollständig zur tageslichtfreien Verkaufszone umfunktionierten Altstadt. Vielleicht sind wir aber auch nur fertig, weil wir uns im Auto alte Sonnencreme ins Gesicht geschmiert haben. Unsere Augen und Nasen tränen bis in den Abend hinein. Im Delirium kaufen wir unserem Kind ein zu kleines Marokko-T-Shirt zum Höchstpreis von acht Euro. Der Händler kann seine Freude angesichts meines geschlagenen Kommentars “now you can quit for today” auch nicht verhehlen. Zum Glück sind wir dem Polizisten vor der Sonnencreme begegnet, das wäre die deutlich teurere Begegnung gewesen.</p><p>In einem Anflug von mich seit der Schwangerschaft verfolgenden Hungerangst und gegen den guten Rat von F. hatte ich vor der Reise alle Zuhause auffindbaren Lebensmittel eingepackt. Zusammen mit dem heimischen Obst und Gemüse leben wir großartig. Offenbar wächst hier alles, und vor allem wächst es EU-ungenormt. Die Tomaten sehen echt aus, haben Dellen, sind unterschiedlich groß und farbig und schmecken hervorragend.</p><p>Seit wir in Marokko sind, finde ich auf einmal überall in den deutschen Medien Hinweise auf das Land. Wahrscheinlich liegt das an der Silvesternacht von Köln. Interessant fand ich den FAZ-<a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/flucht-aus-marokko-wer-etwas-werden-will-macht-sich-nach-deutschland-auf-14079892.html">Artikel über die jungen Männer aus den Slums von Casablanca</a>, der sich mit meiner eigenen Beobachtung deckt. Denn die Marokkaner gehen nicht in erster Linie nach Deutschland, weil da Milch und Honig fließen, sondern, weil ihr eigenes Land es nicht auf die Kette kriegt, ihnen eine Perspektive (Bildung, Arbeit) zu bieten. Der Weg geht dann für viele vom Land (Arbeitslosigkeit) in die Stadt (Arbeitslosigkeit plus elendes Wohnen) nach Europa (Abschiebung). Natürlich können sie nach Deutschland kommen, um Arbeit zu suchen. Aber das Problem der Landflucht ist in erster Linie ein marokkanisches, und ein großes dazu. “Europa” kommt in der Rechnung erst später dazu.</p><p>Vom Atlasgebirge aus Richtung Sahara fahren wir durch tausend Oasen voller Dattelpalmen. In einer Oase halten und übernachten wir und wundern uns über zwei abgemagerte Spanier, die genau so aussehen wie der Typ aus “Into the Wild” und morgens, mittags und abends nach Datteln auf dem Boden suchen. Auf der Fahrt aus der Oase nehmen wir die beiden mit und erfahren, dass sie an einem einwöchigen Ding namens Rainbow Gathering teilgenommen haben - und das Camp dort stand offenbar unter der kulinarischen Fahne rohen, vom Baum gefallenen Essens. Subkulturen, immer wieder faszinierend.</p><p>Eine andere, großartige Subkultur treffen wir in einem Hotel mit angeschlossener Sternwarte am Rande der Sahara: Astronerds! Hobbyastronomen machen mit Hilfe ihres 80 Kilo-Equipments Sternenbilder mit siebenminütiger Belichtungszeit. Und der Resident Geek sieht aus wie der alte, kleine Bruder von Berghutze Fredda aus Walter Moers’ Zamonien und ist nicht nur phänotypisch ein Nerd aus dem Bilderbuch. Er wohnt offiziell bei seiner Mutter in Belgien, und unsere Abrechnung kann er nicht machen,”weil ich immer in Lichtjahren rechne”. Vor allem aber führt er uns stundenlang durch den Himmel. Liebe!</p><p>Auf dem Mandelblütenfest in Tafraoute - eine große Masse an Menschen, die keinen Alkohol trinkt - ist es sehr angenehm. Auf dem Rückweg zum Auto beschließe ich, die Blogreihe zu beenden. In der <a href="https://medium.com/@malienamadrina/migration-und-müßiggang-einleitung-e59caa76420f">Einleitung</a> habe ich mich gefragt:</p><blockquote>Wie geht Reisen in einem Land, das viele verlassen? Ist die Migrationsbewegung nach und in Europa auf Reisen spürbar? Und verändert sie das Reisen selbst?</blockquote><p>Nun. Die Fragen sind allesamt beantwortet, und das schon seit Wochen. Um tiefer in das ganze Thema Migrationsbewegung reinzugehen, müsste ich die wichtigsten Sprachen - Arabisch, Berberdialekte - verstehen. Leider kommt mein Arabisch über Chokran, Salaam und Inshallah nicht hinaus. Deshalb hier meine schmalen, erbeuteten Erkenntnisse aus Reisebeobachtungen, Unterhaltungen auf Französisch und angelesenen Informationen:</p><blockquote>Wie geht Reisen in einem Land, das viele verlassen?</blockquote><p>Normal gut. Es ist ja nicht so, dass vor lauter Landflucht Marokko leer stünde und hier alles geisterstadtmäßig verfällt - auch wenn die Rechten das als eine Art ultima ratio-Angst installieren wollen, dass demnächst “alle” “hierher” kommen und was “wir” dann machen, wenn “alle” kommen. In Marokko wohnen immer noch 36 Millionen Menschen, die paar tausend oder zehntausend, die da pro Jahr ihr Glück woanders suchen, bluten das Land nicht aus.</p><blockquote>Ist die Migrationsbewegung nach und in Europa auf Reisen spürbar?</blockquote><p>Ja, aber unabhängig von der aktuellen Migrationsbewegung. Marokko war, lernen wir, schon immer ein Auswandererland - egal, ob gerade in Deutschland “Flüchtlingskrise” ist oder nicht. Wenn wir im Gespräch nach unserer Nationalität gefragt werden, erzählen viele Marokkaner von ihrer eigenen Zeit oder dem Verbleib eines oder mehr Familienmitgliedern in Deutschland oder Frankreich. Bei keiner dieser Erzählungen hatte ich das Gefühl, dass Europa der große Sehnsuchts- oder Hasskontinent ist. Es ist einfach normal, sich in dieser Welt über Grenzen zu bewegen. Man geht und/oder bleibt nach Europa, um zu arbeiten, und wenn man fertig ist, kommt man zurück. Nichts davon taugt, um rassistische Ängste zu schüren. Aber diese Realität kennen die AfD-Wähler/innen nicht oder möchten sie nicht kennen. (Nachtrag einer Anekdote: Als M in Essaouira beim Barbier sitzt, unterhalte ich mich mit dem zweiten Frisör. Auf meine Frage, warum viele Marokkaner nach Europa gehen, sagt er: “Naja, um zu arbeiten. Aber das ändert sich auch, jetzt wo es mit Europa bergab geht und mit Marokko bergauf.”)</p><blockquote>Und verändert sie (die Migrationsbewegung) das Reisen selbst?</blockquote><p>Ja - weil ich bewusst unterwegs bin. Weil ich mal wieder feststelle, dass mein Interesse am Anderen, am Fremden umso größer wird, je mehr ich daran teilhaben darf. Weil ich quasi nebenbei und ohne Anstrengung in einem Land lebe, das für viele Menschen, die nicht in ihrer Heimat bleiben können oder wollen, ein friedliches, wohlhabendes, funktionierendes Ziel ist. Weil die Welt größer ist als das Dorf, in dem ich lebe, selbst oder insbesondere wenn das Dorf Berlin ist. Größer, vielfältiger, bunter, mit Menschen, die unterschiedlicher nicht leben könnten und trotzdem genau so ticken wie ich, mit den selben Grundwünschen und Grundsehnsüchten. Frieden, Gesundheit, Würde, Freundschaft, Freiheit, solche Sachen. Und dann sitze ich hier in Marokko bei wahnsinnig netten und komplett normalen Berbern im Wohnzimmer, und in Sachsen-Anhalt wählt jeder Vierte die AfD, und ich schäme mich und denke: Wer Angst vor Fremden hat, hat Angst vor sich selbst und ist auf der Flucht vor dieser Erkenntnis offenbar zu vielem fähig.</p><p>Und das mit dem Müßiggang klappt auch gut. Sehr gut sogar. Ich betreibe ungequälte <a href="http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/oblomow-104.html">Oblomowerei</a> vom Feinsten und verabschiede mich damit in die Berge. Danke für die Aufmerksamkeit!</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=47742fe6f1e7" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Migration und Müßiggang (3)]]></title>
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            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Fri, 26 Feb 2016 17:11:31 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-02-26T17:11:31.925Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Ankunft in Tanger. Marokko ist gleich aufregend und wahnsinnnig überraschend. Ich kann nicht fassen, wie funktionierend und ordentlich hier alles erscheint. Der Markt in Tanger hält die saubersten Fleischtheken bereit, die ich jemals außerhalb Deutschlands gesehen habe. Vielleicht gilt der Eindruck nur für diese nördlichste Stadt, das südliche Ende der Straße von Gibraltar, die Ankunfts- und Abreisestadt, mal sehen. Irgendwo muss die schlechte Platzierung im UN Human Development Index ja herkommen.</p><p>Während unser Auto in der Wäscherei steht und manuell - Arbeitskraft ist günstig - gewaschen wird, unterhalten wir uns über das, was wir in Tanger sehen: Viele, junge, freundliche, arbeitswillige, gebildet wirkende Marokkaner/innen in einem vibrierenden, aufgeräumten und vor Baustellen strotzendem Land. “Guck dir das hier an und dagegen unsere verknöcherte Bevölkerung. Die lachen uns doch aus”, sagt M und hat recht. Laut Reiseführer (von 2011) sind 30% der Bevölkerung Marokkos unter 15 Jahre alt. In Deutschland wird 2050 jeder Zweite über 65 Jahre alt sein. (Ich auch.) Nur die Zahl der angeblich 50% Analphabeten passt nicht zum Bild. Aber vielleicht müssen wir dazu von der Stadt auf’s Land.</p><p>Marokko ist ein großes, freudiges Abenteuer. Komisch, dass uns einige abgeraten haben, mit Baby dorthin zu reisen. Es herrscht irrsinnige Kinderliebe im Land, und das Baby war bislang auf dem Arm eines jeden Marokkaners, dem wir begegnet sind. Überhaupt ist das Reisen mit Kind ein einziger Türöffner. Wir kommen schnell ins Gespräch, werden aber auch viel in Ruhe gelassen. Sehr gute Mischung.</p><p>Der bislang einzige Abtörn sind die Scharen europäischer Campingurlauber, die nicht aus ihren Wagen kommen und hier offenbar Jahr um Jahr überwintern. Auf einem deutschen Wagen steht: “Des Campers Fluch sind Regen und Besuch. Wobei Regen eigentlich noch geht :)“ Was die Zuhause wohl wählen? Alternativ würde als Aufdruck auch “Mir doch egal, wo ich Fernseh guck” gehen. Sie alle haben Satellitenschüsseln. Die der Italiener nebenan heißt “Revolution”.</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=fa678fcc14b4" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Migration und Müßiggang (2)]]></title>
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            <category><![CDATA[marokko]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Fri, 26 Feb 2016 16:24:02 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-02-26T16:24:02.008Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Kurzer Stopp in Turin. Die Stadt ist ganz schön, aber ich werde wie bei all unseren Stationen in Italien das Gefühl nicht los, dass das Land schon bessere Zeiten gekannt hat. Oder ist das nur das, was ich aufgrund der jahrelangen Nachrichtenlage (Müll, Mafia, Berlusconi) erwarte zu sehen?</p><p>Dann: 48 Stunden auf der Fähre von Genua, Italien, nach Tanger, Marokko. Das Publikum auf der Fähre besteht - den Nummernschildern und Autobeladungen zufolge - hauptsächlich aus Marokkanern, die in Italien leben und nun Familienbesuche in ihrem Herkunftsland machen. Weiße Touristen und Schwarzafrikaner sind eher in der Minderheit, trotzdem wirkt das Publikum (auch sozial) bunt gemischt und sehr international. Ich fühle mich wohl, auch wenn ich eindeutig die Ausländerin, die Kulturfremde bin.</p><p>Die Fähre liegt vergnügungstechnisch trotz anderslautender Verheißungen auf den Ausschilderungen (u.a. Spielraum für Kinder, Pool, Casino, Bibliothek, Eisdiele, Kino, Solarium…) absolut brach. Bis auf das Café sind alle Räume leer, heruntergewirtschaftet und geschlossen. Nur das Fitnessstudio ist zum Gebetsraum umfunktioniert worden, und der “Club N.Y.” ist mit abgenutzten, samtroten Sesseln und silbernen Stehtischen die schräge Kulisse für die marokkanischen Einreiseformalitäten.</p><p>Ich langweile mich unendlich auf der Fähre und denke dabei an und verstehe jeden, der in Deutschland zur Untätigkeit verdammt in einer Flüchtlingsunterkunft hocken muss und dabei sehenden Auges die Nerven verliert. Meine Bauchschmerzen angesichts der tausenden Menschen, die in Nussschalen auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ihr Leben gelassen haben, aber halten sich ehrlicherweise nicht. Mein eigenes Transportmittel ist sicher, und das Meer ist zu groß, um in diesem Moment betroffen zu sein.</p><p>Ob die Menschen, die nach Europa wollen und kommen, eine Vorstellung davon haben, was sie erwartet? Ich meine nicht, dass das immer ein Abwägungsgrund sein wird und kann. Wessen Hoffnungen auf Leben in einem Kriegsgebiet wie Syrien dahin schwinden, der überlegt irgendwann nicht mehr. Aber alle, die ebenfalls berechtigt aufbrechen aus, sagen wir, Hoffnung auf Wohlstand, wirtschaftliche Entwicklung, ein unkorruptes Bildungssystem etc. und ihre Heimat Richtung Deutschland verlassen: Machen sie sich klar, dass das Leben so anders ist? Die Menschen, die Lebenseinstellungen, das Essen, die Liebe, die Gespräche, die Geschäfte, die Interessen…? Und wie hart das ist, für diese eine, große Hoffnung so viel Vertrautheit, Selbstverständlichkeit und Normalität aufzugeben? Die Heimat zu verlassen ist nicht trivial. Umso mehr schäme ich mich für alle Deutschen, die angesichts der Geflüchteten ihren Hass und ihre Angst ausrollen und ihre Unüberlebensfähigkeit in einer komplexen Welt für alle sichtbar machen.</p><p>Die Heimat. Kein Plural. Ist das nur in der deutschen Sprache so?</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=f8fda3a90d6a" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Migration und Müßiggang (1)]]></title>
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            <category><![CDATA[reichtum]]></category>
            <category><![CDATA[reisen]]></category>
            <category><![CDATA[regen]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Sun, 07 Feb 2016 22:53:44 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-02-07T22:53:44.536Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Die Reise beginnt mit einer anstrengenden Migration von Berlin nach Grünwald: Viel Autobahn, spontaner Schnee, kein Müßiggang.</p><p>In Grünwald (höchstes Pro-Kopf-Einkommen Deutschlands) haben wir bei Freunden übernachtet, die aus Kronberg (höchste Millionärsdichte Deutschlands) kommen. Für die Statistik können sie aber nichts. In die Kita am Ende der Straße bringen Mütter ihre Kinder morgens mit dem Porsche Cayenne. Das ist das Stadtauto für die Ehefrauen, lerne ich.</p><p>Wir reden über die Wohnungsnot in und um München und die mögliche Konkurrenz um Wohnraum zwischen sozial Schwächeren und Geflüchteten. Wieder so ein schwieriger Sachverhalt. Ich fürchte mich vor den nächsten Wahlen. <a href="http://m.spiegel.de/kultur/gesellschaft/a-1074707.html">Warum haben die ganzen Rechten ihr Herz für die einheimischen Hilfsbedürftigen nicht eher entdeckt?</a></p><p>Touristischer Stopp am sehr eingezäunten, sehr humorlosen BND in Pullach. Dort wird man wahrscheinlich eine ganz eigene Sicht auf Migrationsbewegungen in der Welt haben.</p><p>Schließlich Ankunft in einem Dorf bei Lindau. Wunderschöner Spaziergang über’s Feld auf einen Hügel. Von dort geht der Blick (von links nach rechts) auf die Alpen, über den Bodensee, die wogende Landschaft und das idyllische Dorf. Berlin, die Zustände am LaGeSo, die Medien, die Angstzustände, die Ressentiments, die Flüchtlinge: das ist hier weit, weit weg.</p><p>In <a href="http://www.petrashaarstudio-lindau.de">Petra’s Haarstudio</a> stimmt bis auf das Apostroph alles. Da hat nicht nur eine interessante und interessierte Frau ihren brummenden Laden im Griff, sondern pflegt auch eine seltene, ansteckende Leidenschaft zu ihrem Handwerk. Zwei spontane, gute Frisuren später fahren wir euphorisch weiter und sind noch guter Stimmung, als die Halsabschneiderösterreicher uns um 120 Euro Strafe wegen vignettenloser 200 Meter auf der Landstraße erleichtern. Nach einer Stunde kehren wir um, Jacke im Frisörsalon vergessen. Egal, wir haben Zeit und ein schlafendes Baby dabei.</p><p>Nachmittags dann Fahrt durch die Schweiz nach Italien. Mich nervt die Vorstellung, dort Englisch reden zu müssen, und kratze auf der Fahrt sämtliche italienische Wörter zusammen, die ich kenne. Buongiorno, prego, grazie, scusi, uno, due, cinque, multo bene, bambino, arrividerci.</p><p>Am Lago Maggiore regnet es unaufhörlich, insgesamt 30 Stunden lang. Noch 6 Jahre und 363 Tage länger, und wir haben hier Zustände wie in Macondo in “Hundert Jahre Einsamkeit” von Gabriel Garcia Marquez.</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=fa3078cc7759" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Migration und Müßiggang (Einleitung)]]></title>
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            <category><![CDATA[migration]]></category>
            <category><![CDATA[idleness]]></category>
            <category><![CDATA[reisen]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Sun, 07 Feb 2016 18:41:25 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-02-07T22:57:40.557Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Nun also die Reise. <em>Die</em> Reise. Die erste mit eigenem Auto und die erste mit Kind. Nach neun Monaten Mutterschutz und Elternzeit, die ich geschätzt zu 60 Prozent genossen und zu 90 Prozent im Kiez verbracht habe, bin ich hungrig. Ich mag nicht mehr <a href="http://medium.com/@malienamadrina">innen</a> und nicht mehr drinnen sein, ich will nach draußen. Ich will Abenteuer, Erlebnisse jenseits des Tellerrands und eine Verbindung zur Welt.</p><p>Zwei Monate haben wir Zeit, um von Berlin nach Marokko und wieder zurück zu fahren. Von Genua (Italien) nach Tanger (Marokko) nehmen wir die Fähre, ansonsten sind wir mit dem Auto unterwegs und haben nichts weiter geplant.</p><p>Ich freue mich riesig auf die Reise. Aber mir ist schlecht beim Gedanken daran, mit der Fähre über’s Mittelmeer zu fahren. Und doch werden wir es tun. Natürlich — nicht reisen ist keine Option und hilft niemandem. Aber die Gleichzeitigkeit, mit der wir aus Urlaubsgründen nach Süden schippern und andere in die Richtung, aus der wir kommen, in den Tod fahren, beschäftigt mich.</p><p>Wie geht Reisen in einem Land, das viele verlassen? Ist die Migrationsbewegung nach und in Europa auf Reisen spürbar? Und verändert sie das Reisen selbst?</p><p>Mein Schicksal hingegen ist verstörend leicht. Ich übe Müßiggang, und weiter nichts. Die Leere des Geistes und die Konzentration auf eine Sache während des Mutterschutzes haben mir gut getan-trotz oder gerade wegen der Liebe zu meiner Arbeit. Ich übe also, bevor mich das Berufsleben wieder zurück hat, weiter. Die entsprechende <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/anleitung_zum_muessiggang-tom_hodgkinson_35977.html">Reisebegleitung</a> habe ich dabei. Danke an <a href="http://twitter.com/jholofernes">Judith Holofernes</a> für die <a href="https://www.google.it/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3DvPeFJ_fDByo&amp;ved=0ahUKEwiSp87ZpebKAhWFPQ8KHZZEDdEQyCkIHTAA&amp;usg=AFQjCNESkX8CQtdYuxeAiiJc0lPIw9qQEA">Inspiration</a>!</p><p><em>Fortsetzung </em><a href="http://“Migration und Müßiggang (1)” @malienamadrina https://medium.com/@malienamadrina/migration-und-m%C3%BC%C3%9Figgang-1-fa3078cc7759"><em>hier</em></a><em>.</em></p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=e59caa76420f" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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            <title><![CDATA[Deutsche Gardinen]]></title>
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            <category><![CDATA[feminismus]]></category>
            <category><![CDATA[rassismus]]></category>
            <category><![CDATA[pegida]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Mon, 25 Jan 2016 16:05:52 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-02-07T18:44:15.840Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>Ich sitze im Zug von Pegidahomeland Dresden nach Berlin und denke über den Fremdenhass in diesem Land nach. Ob der ostdeutsche junge Mann neben mir wohl einer derjenigen ist, der denkt, dass er mich sexuell belästigen dürfe, der arabisch aussehende Mann ein Abteil weiter aber nicht? Der Gedanke ist hier im Konkreten absurd (und der Mann ist sehr nett und freundlich — so einfach ist das mit dem Aufheben von Vorurteilen). Aber es gibt sie ja, außerhalb meines Abteils: die Andersdenkenden, für die derartige Gedanken noch nicht absurd genug sind.</p><p>Die Instrumentalisierung meines Körpers und meiner Selbstbestimmung durch RassistInnen, die damit ihren Fremdenhass legitimieren, ist für mich die besorgniserregendste Manifestation all dessen, was in Deutschland gefährlich ist. Auf <a href="https://t.co/8EdybNpAhU">taz.de</a> steht ein toller Artikel dazu.</p><figure><img alt="" src="https://cdn-images-1.medium.com/max/1024/1*GQAWjf1YtP3X21sW8JJ4dg.jpeg" /></figure><p>Ich habe Angst vor denen, die Angst vor einer Entwertung ihres Lebens durch Fremde haben.</p><p>Ob irgendjemand ernsthaft glaubt, dass die Gardinen in diesem Zug hässlicher werden, wenn sie auch ein Muslim anschaut?</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=67affe9b12f1" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
        </item>
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            <title><![CDATA[Dein Ziegelstein soll schöner sein]]></title>
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            <category><![CDATA[postmoderne]]></category>
            <category><![CDATA[selbstbestimmung]]></category>
            <category><![CDATA[feminismus]]></category>
            <dc:creator><![CDATA[Maria Reimer]]></dc:creator>
            <pubDate>Fri, 08 Jan 2016 23:40:47 GMT</pubDate>
            <atom:updated>2016-01-20T04:32:11.256Z</atom:updated>
            <content:encoded><![CDATA[<p>In der taz-Ausgabe von Weihnachten hat <a href="https://twitter.com/emilia_owski">Emilia Smechowski</a> unter dem Titel „Es ist ein Ziegelstein“ über die Qualen der Geburt geschrieben. Danke, <a href="https://twitter.com/marga_owski/status/679828137459499008">@marga_owski</a>, für den Hinweis! Ich wusste schon vor dem Lesen, dass ich den Artikel zum Anlass nehmen wollte, selbst darüber zu schreiben. Ich habe im Sommer letzten Jahres auch ein Kind zur Welt gebracht, und es ist unmöglich, zu einer derartigen körperlichen und geistigen Explosion kein Kommunikationsbedürfnis zu haben. Und Emilia Smechowskis herausragender Text, der leider nicht online ist, ist die perfekte Vorlage. (Update: Der <a href="http://m.taz.de/Schmerzen-bei-der-Geburt/!5268254;m/">Text ist mittlerweile online</a>.)</p><p>Es muss Schluss sein mit dem mysteriösen Schweigen darüber, was Frauen bei der Geburt eines Kindes erwartet, findet Smechowski — und schildert eindrücklich ihr Geburtserlebnis, das mit dem Wort traumatisch wohl nicht allzu falsch beschrieben ist. Sie setzt die Geburt in den Kontext unseres durchzivilisierten und durchkultivierten Lebens und fragt sich nicht nur, warum erstgebärenden Frauen das Wissen über die Schmerzen regelrecht vorenthalten wird — sondern auch, warum als die “richtigsten” (Anführungszeichen von mir) Mütter diejenigen gelten, die auch in den qualvollsten Stunden ihres Lebens keine schmerzlindernden Mittel zu sich nehmen.</p><p>Ich habe ein ganz anderes Geburtserlebnis gehabt als die Autorin. Aber ich finde es gut, dass sie darüber schreibt. Denn tatsächlich ist das eine gute Frage: Warum ist so ein gewaltiges körperliches, hoch emotionales, gesellschaftlich relevantes und evolutionär unabdingbares Erlebnis wie die Geburt so ein Geheimnis? Und warum bilden die Frauen, die eine Geburt hinter sich haben, so einen Geheimbund? Aus feministischer Perspektive ist das doch höchst fragwürdig. Sollen kinderlose Frauen nicht verschreckt werden? Kriegt das Martyrium eine gewichtigere Bedeutung, wenn man es verschweigt? Oder darf die in unserer gegenwärtigen kulturellen Lage noch immer als wichtigste Fähigkeit der Frau angesehene sexuelle Anziehungskraft auf die Männer nicht mit Erzählungen aus den Grenzgebieten unseres Seins beeinträchtigt werden? Letzteres ist beileibe nicht unwahrscheinlich.</p><p>Auf mich trifft das Schweigen nicht zu. Ich habe über die Geburt geredet. Viel sogar. Vor männlichen und weiblichen Freunden, Kollegen und Fremden — immer dann, wenn ich ein grundsätzliches Interesse für das Thema festgestellt habe. Eine Geburtserfahrung ist, wenn man sie richtig erzählt, eine lehrreiche Geschichte. Und das Schweigen über weibliche Erlebnisse stört mich generell.</p><p>Allerdings finde ich nicht, dass Nicht-Schweigen unbedingt ein Bericht über Schmerzen sein muss. Smechowski beklagt sich in ihrem Artikel darüber, dass die Schmerzen während der Geburtsvorbereitung höchstens blumig, aber nicht angemessen thematisiert wurden. Mich haben die bangen Fragen der anderen werdenden Mütter eher gestört: Wie werden wohl die Schmerzen sein? Ich fand immer die Frage interessanter: Wie fühlt sich wohl diese irre Kraft, diese Stärke an, die sich seit Menschengedenken in gebärenden Frauen entwickelt, um mit dem Geburtserlebnis fertig zu werden? Zumal das Schmerzempfinden eine sehr subjektive Angelegenheit ist. Smechowski schreibt: „Noch heute, wenn ich den Kopf meiner Tochter betrachte, wenn ich über ihr Haar streiche und die Schädelknochen spüre, wird mir manchmal schlecht. Weil sich mein Körper an den Schmerz erinnert.“ Mein Körper erinnert sich gar nicht an den Geburtsschmerz, und ich habe die Geburt auch nicht als qualvoll erlebt.</p><p>Vielleicht hat die Natur das Vergessen eingerichtet, damit Evolution möglich ist? In den Stunden und den Tagen nach der Geburt hat mich dieser Gedanke gefesselt: Wie um alles in der Welt können Frauen behaupten, sich an ihre Geburt(en) nicht mehr zu erinnern? Das war das Schlimmste, Beste, Flashigste, Abgefahrenste, was ich jemals erlebt habe. Es ist unmöglich, das zu vergessen! Wenige Wochen später hatte ich nahezu keine Details mehr präsent. Und selbst unmittelbar nach der Geburt hatte ich Lücken. So habe ich mehrere Anläufe angestrengten Nachdenkens gebraucht, um zu realisieren, woher der beachtliche blaue Fleck in der Größe meiner vier Fingerkuppen auf meinem Unterarm kam. Ich hatte mich vor Schmerzen selbst gekniffen.</p><p>Geburt ist der maximale Kontrollverlust. Nicht leicht auszuhalten für intellektuelle Menschen der Postmoderne wie mich, die den Großteil ihrer Lebenszeit damit verbringen, den Kopf auszubilden — und nicht den Körper oder den Geist. Aber genau deshalb wollte ich die Geburt vermutlich so, wie sie dann letztendlich auch war — ohne Schmerzmittel, ohne Ärzte, im Geburtshaus, mit ständiger Betreuung durch eine Hebamme und aller Zeit der Welt. Mich hat der Grenzgang euphorisch gemacht.</p><p>Dass der Kontrollverlust den Intellekt nicht beschneidet, sondern ihn um das Wissen eines weise(re)n Innen bereichert, fand ich spannend. Nach der Geburt war es unmöglich, nicht über diese letzte Rolle der Natur in unserer durchkultivierten und -zivilisierten Welt nachzudenken. Diese Gedanken hatten auch Smechowski und die von ihr zitierte Soziologin Isabelle Azoulay , die in den 90er Jahren ein leider nur noch antiquarisch erhältliches Buch über „Die Gewalt des Gebärens“ geschrieben hat und die „sagt, die Geburt sei das letzte Animalische, was der Mensch noch nicht kultiviert habe.“</p><p>Ich persönlich hatte große Lust und Neugier, diese Natur kennen zu lernen, vor der ich schon während der Schwangerschaft staunend dastand. Aber genau so, wie ich mich immer wieder für meinen Weg entscheiden können möchte, bin ich — hallo Selbstbestimmung, du geschundenes, marginalisiertes Wesen! — selbstverständlich für das Recht jeder Frau auf jede andere positive Geburtserfahrung. Wir haben uns (völlig zurecht) an ein Leben mit der Möglichkeit zur Schmerzlinderung gewöhnt. Wieso also sollten wir die Geburt anders handhaben? In der Durchkultivierung, -zivilisierung und -technisierung aller Bereiche unseres Seins liegen die zumindest in Deutschland minimalen Sterblichkeitsraten von Mutter und Kind begründet — und ebenso auch die irrsinnig nach oben schnellenden Zahlen von Kaiserschnitten weltweit, vor denen <a href="http://www.who.int/reproductivehealth/topics/maternal_perinatal/cs-statement/en/">ab einer gewissen Häufigkeit auch die WHO warnt</a>. Ich gebe zu, dass mich die Selbstverständlichkeit, mit der sich immer mehr Frauen ohne medizinische Not für Kaiserschnitte entscheiden, verstört. Aber angesichts der Tatsache, dass wir in unseren postmodernen Leben von ein paar Instinkten abgesehen keine Naturerfahrung mehr kennen, ist diese Entwicklung nicht verwunderlich.</p><p>Abschließend zur Frage, wer die „richtigere“ Gebärende ist: Du, Emilia Smechowski, weil du für mich einen der wichtigsten Texte der letzten Monate geschrieben hast. Ich, weil ich nach der Geburt <a href="https://twitter.com/malienamadrina/status/615998561898074113">schon wieder twittern</a> konnte. Und alle zukünftig Gebärenden, weil wir keine weitere Zeit damit verlieren dürfen, heraus zu finden, wer die tougheste ist. Das war auch eine Erkenntnis der Geburt: Wie unbedingt wir Frauen solidarisch miteinander sein müssen, um die Kräfte nicht reflexhaft gegen uns selbst, sondern gemeinsam gegen all diejenigen einzusetzen, die auch 2016 noch ein Problem mit unserer Selbstbestimmung haben.</p><p>Randnotiz: Sämtliche Horrorgeschichten zu Geburten, die ich kenne, sind Krankenhausgeschichten. Zur desaströsen Lage der außerklinischen Geburtshilfe muss ich nochmal einen eigenen Text oder ein eigenes Buch oder eine eigene politische Kampagne schreiben, bevor für selbstbestimmte Geburten <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-07/hebammen-elternprotest-versicherung">alles zu spät</a> ist und in Zukunft noch mehr Frauen <a href="http://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/grosse-not-hebamme-muenchen-frauen-wehen-muessen-abgewiesen-werden-5668085.html">selbst in den Wehen noch von Krankenhäusern wieder weggeschickt</a> werden.</p><img src="https://medium.com/_/stat?event=post.clientViewed&referrerSource=full_rss&postId=dae4892cb843" width="1" height="1" alt="">]]></content:encoded>
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