Form-Faktor

Dass zum guten Foto auch die Präsentation gehört, zeigt die Ausstellung <<Bachelor 2016|2>> in der GaF

Von jVoTo (6. Juli 2016)

Keine Frage: Die Abschlussarbeiten sind große Klasse. Doch die Fotografen beweisen in den "Bachelor"-Ausstellung mit den höchst unterschiedlichen Präsentationen auch, wie sehr die Präsentation eine Reportage unterstützen kann.

Ich liebe die Abschluss-Ausstellungen des Studiengangs "Fotojournalismus und Dokumentarfotografie" an der Hochschule Hannover. Denn sie stehen für Fotoreportagen mit vielfältigen Themen und Ansätze, die eins gemeinsam haben: eine hohe fotografische Qualität. Das gilt auch für die aktuelle Ausstellung <<Bachelor 2016|2>> mit Abschlussarbeiten aus dem Sommersemester 2016. Dieses Mal besonders bewegend war für mich die Reportage von Hannes Jung, der sich mit Suiziden in Litauen auseinandergesetzt hat. Beim Abschlussbild der Fotostrecke musste ich jedenfalls erst mal das Taschentuch hervorkramen — nicht Trauer trieb mir Tränen in die Augen (wie beim ersten Bild), sondern Rührung. Aber auch die Arbeit vom Konrad Lippert, der die blühenden Landschaften rund um Leuna (be)suchte, gefiel mir sehr. Hier mochte ich sowohl die vielen Facetten als auch den Anlass seiner Reportage.

Doch heute will ich nicht über die einzelnen Reportagen berichten, sondern über die Präsentationsformen, die die Absolventen gewählt haben. So präsentiert Anna-Kristina Bauer ihre Reportage über junge Menschen in der polnischen Industriesiedlung bei Krakau mit einen triptychon-artigen Aufbau — und bietet zugleich viele Facetten. Mario Wenzel träumt nicht nur von den USA, sondern zeigt auch, was hinter der glizernden Hülle auch stecken kann. Und Hannes Jung erzählt die Geschichten von Menschen, die mit Selbstmord in Berührung gekommen sind vor Bildern aus Litauen. Konrad Lippert nutzt das nüchterne Quadrat und Symetrie als Basis für seine Arbeit — die davon ausgehende Ruhe gibt den vielen Aspekten seiner Reportage rund um die Leunawerke den notwendigen Raum, um wirken zu können. Sebastian Mast dagegen bringt mit sehr unterschiedlichen Formaten sowie Fotos in Farbe und schwarz-weiß Leben in seine Reportage, bei der er meist statische Motive aus dem Forschungsbetrieb zeigt. Thomas Damm dagegen erzählt seine Geschichte von einer japanischen Insel, deren Bewohner seit Jahrzehnten gegen den Bau eines Atomkraftwerks kämpfen, kleinformatig in einem liebevoll produzierten Buch. Schon der Umschlag zeigt, dass es etwas Besonderes ist. Und Jan Lieske gibt mit teilweise extrem querformatigen Fotos dem Leben der Jamal-Nenzen den nötigen Raum, den sie am Polarkreis teilweise nicht mehr finden.

Anna-Kristina Bauer “Nowa Huta”
Mario Wenzel “Träumst du manchmal von Amerika”
Hannes Jung
Konrad Lippert
Sebastian Mast “The pursuit of knowledge”
Thomas Damm “Iwaishima — Frühlingsschatten”
Jan Lieske “Nomaden”

Weitere Arbeiten kommen von Fernando Juarez Gutierrez und Ksenia Kuleshova. Berichte zu der Ausstellung gibt es auch in der Neuen Presse und beim NDR.

Die Ausstellung “Bachelor 2016|2” ist noch bis zum
17. Juli 2016 in der GaF zu sehen. Die Galerie hat während der Bachelorausstellung täglich von 12 bis 18 Uhr auf.

Galerie für Fotografie (GaF)

Seilerstraße 15d, 
30171 Hannover
Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag 
von 12.00 bis 18.00 Uhr
Parkplätze sind knapp — zu Fuß oder mit dem Fahrrad hat man damit keine Probleme
Eintritt: frei
www.gafeisfabrik.de

➤➤ Folge Fotohub Hannover auch auf Twitter | Facebook | Instagram. Zur  Idee hinter Fotohub Hannover gibt's eine eigene Story. Du möchtest bei uns etwas veröffentlichen? Klicke hier, um zu unserem Kontakt-Formular zu gelangen.

Weitere Storys über Fotografie in Hannover

Rolf Nobel eröffnet die Ausstellung am 6. Juli 2016 in der GaF