Raus auf die Straße

Marco Larousse beim Street Photography Day in Hannover

von jVoTo (28. August 2016)

Street Photographie ist derzeit total angesagt. Doch was unterscheidet das banale Bild vom genialen Foto? Street Photographer Marco Larousse zeigte Ende August worauf es ankommt.

Zum Workshop mit anschließendem Fotowalk hatte der Fotofachhändler Probis nach Hannover geladen. Vortrag und Diskussion mit Marco Larousse, Fachsimpeln in der Gruppe, die aktuellen Kameras und Objektive von FujiFilm oder die Stets-bereit-Taschen von Cosyspeed testen und gemeinsam mit erfahrenen Straßenfotografen auf Motivsuche gehen, stand bei heißen 30 Grad auf dem Programm.

Die Welt aus Sicht eines Street Photographers

Marco entführte uns schnell in die Welt der Straßenfotografie. Angefangen bei seinem eigenen Start in dem Genre in Asien (also er noch ein schlechtes Gewissen hatte, fremde Menschen auf der Straße heimlich zu fotografieren) über Oskar Barnack , der die 35-mm-Kleinbildkamera entwickelte, bis zu den Klassiker reichte sein reich bebilderter Vortrag. In den Meistern der Street Photography sieht er dabei einen wesentlichen Ansatz zum Lernen:

“Nehmt euch mehr Zeit für die Bilder der großen Street Photographers und findet heraus, was an deren Fotos fasziniert.”

Neben den Kommentaren zu ausgewählten Fotos dieser Fotografen gab es immer auch eine kleine Geschichte über die Personen. Und so ließen sich die Fotos oft sehr viel besser erschließen. Für einen Einstieg empfahl Marco, sich mit Alfred Eisenststaedt, Henri Cartier-Bresson, Robert Frank (dessen Buch “The Americans 1955–1957” er besonders empfahl), Saul Leiter, Marry Ellen Mark, Joel Meyerowitz , Bruce Gilden, Jeff Mermelstein und Vivian Meier (“die Meisterin des Selfies”) auseinander zu setzen.

Was bringt ein gutes Street Photo mit?

Straßenfotografie lässt dem Betrachter Freiheit zur persönlichen Interpretation. Anders als dem Paparazzi geht es nicht um die private Person, sondern um eine anonyme Person, die in einer Straßen-Szene eingebunden ist. Leider wird dieser Ansatz von der Rechtslage in Deutschland nicht gedeckt — anders als in den USA oder Großbritannien gibt es für den in Deutschland aktiven Straßenfotografen nur schwer überwindbare rechtliche Hürden, wenn er seine Fotos veröffentlichen möchte. Für Marco — als Fotograf eben Künstler — bietet das Kunsturhebergesetzt (KunstUrhG) die grundsätzliche Zulässigkeit auch in Deutschland Street Photography zu veröffentlichen. Da §22 und §23 jedoch Auslegungsspielräume lassen, ist die Gefahr vor Gericht zu landen, nicht nur theoretisch vorhanden.

Mindestens eine dieser Eigenschaften haben gute Fotos:

  • Symmetrie
  • Geschichten erzählen oder Emotionen transportieren
  • Decisive Moment (der besondere Moment — auf die Sekunde kommt es an)
  • Humor
  • Dokumentarischer Charakter
  • Tiefe durch Ebenen (zum Beispiel durch Schatten, Scheiben, …)
  • Street Porträts

Dass dokumentarische Aufnahmen für Marco ein wichtiger Bestandteil der Street Photography sind, zeigt er auch mit vielen Beispiel-Fotos. Und macht dabei auch klar, dass im Moment der Aufnahme das Foto noch keinen hohen dokumentarischen Wert haben muss — dieser entsteht oft erst im Laufe der Jahrzehnte. Sein Tipp: “Macht die banalen Fotos. Die haben in 50 Jahren einen dokumentarischen Charakter. Und rief uns zu:

“Macht Briefkästen!”

Denn noch gäbe es diese in Deutschland. Telefonzellen, in denen Menschen telefonieren, empfahl er zwar auch sehr lohnenswerte Ziele für Straßenfotografen — doch da sei es schon schwer, noch welche zu finden.

6 Tipps von Marco Larousse

  1. Habt immer ein Kamera (griffbereit) dabei.
  2. Die Kamera sollte möglichst klein, leise und unauffällig sein.
  3. Verinnerlicht das Verhältnis zwischen Blende, Belichtungszeit, Iso und Schärfentiefe — ihr habt maximal die Zeit, eines zu verändern.
  4. Habt eine Antwort parat wenn euch jemand fragt, warum ihr Fotos macht.
  5. Geht respektvoll mit den Menschen und den gemachten Fotos um.
  6. Kauft Fotobücher und lernt von den Meistern.

In drei Gruppen ging es anschließen beim Fotowalk durch Hannover. Thomas Ludwig und Hans Severin unterstützen Marco dabei, den Teilnehmern die Augen zu öffnen, Tipps für den Einsatz der Kamera zu geben oder konkrete Verbesserungsvorschläge zu den geschossenen Fotos zu machen.

Foto: jVoTo
Foto: jVoTo
Fotos: jVoTo