Lesen, Rechnen, Schreiben, Entrepreneurship!

Ökonomische Mündigkeit schadet niemandem. Warum wird Entrepreneurship nicht in Schulen vermittelt?

Kinder sollen in der Schule Lesen, Rechnen und Schreiben lernen und an Wissenschaften, Kunst und Kultur herangeführt werden. Dass dieser Anspruch erfüllt sein muss, steht nicht im Gegensatz dazu, dass heute auch Prinzipien des Entrepreneurships vermitteln werden sollten. Anstatt sich schon früh mit „Schreiben nach Gehör” zu verirren und Kinder in der Ganztagsschule jeden Nachmittag Breakdancen zu lassen, könnte man sie lieber darin bestärken, den Entrepreneur in sich zu entdecken.

Beim Thema Schule scheiden sich die Geister. Und ich weiß, dass vielen die Forderung, schon Kindern unternehmerisches Denken und Handeln nahe zu bringen, nicht gefällt. Die „Ökonomisierung aller Lebensbereiche” — nicht mal vor Kinder soll sie halt machen? Nein, bitte, Kinder sollen sich damit nicht befassen müssen, so die Argumentation.

Wirklich? Wäre es nicht besser, wenn sie sich richtig gut auskennen, damit sie nach der Schule mündige Entscheidungen für sich treffen können? Ich glaube schon. Schließlich werden sie sich doch in der Dynamik des Wirtschaftssystems irgendwann zurechtfinden müssen. Im Laufe ihres Lebens werden sie wahrscheinlich nicht nur Konsumenten, sondern auch Arbeitnehmer sein. Und wenn sie ökonomisch Ahnungslose bleiben, dann gibt es für sie erstmal nur das, was auf den Tisch kommt. Oder was die Behörde vorschlägt. Dabei sollten doch gerade Kinder und Jugendliche in einer Welt der Möglichkeiten leben.

Nun muss man keine eigenen Kinder haben, um zu wissen, dass viele Schulen hierzulande Einiges zu bewältigen haben. Die Entwicklungen scheinen in zwei Richtungen zu gehen:

1. Digitalisierung: Kinder lernen den Umgang mit Technologie schon im Alltag — wenn auch nur aus Konsumentenperspektive. Ein Smartphone braucht man ihnen nicht zu erklären — wie eine App aber zustande kommt, schon. Sie werden womöglich in Branchen arbeiten, die es heute noch nicht gibt und Jobs haben, die noch erfunden werden.

2. Bildungskatastrophe: Gleichzeitig herrscht Lehrermangel, es vergammeln Schulgebäude und der Unterricht fällt aus. Lehrer berichten von Respektlosigkeiten, Verhaltensauffälligkeit, sozialen Konflikten, Inklusionsproblemen und kulturellen Unterschieden, die sich im Schulalltag so deutlich zeigen, dass normaler Unterricht nicht immer möglich ist. Defizite beim Lesen sollen Eltern kompensieren, in der Schule gibt es andere Probleme.

Nicht besonders beruhigend, wo beste Bildung doch höchste Priorität sein muss in einem Land, das sich auf dem Weg in die „Wissensgesellschaft” machen will, bzw. machen muss. Wenn schon der Anspruch an Lesen und Schreiben in der Primärbildung nicht mehr erfüllt werden kann, wieso dann über ein Fach Entrepreneurship sinnieren?

Ganz einfach. Weil die Schule ein Ort ist, an dem alle Schülerinnen und Schüler Selbstständigkeit, soziales Miteinander und kreative Problemlösung lernen können. Schüler in der Sekundarstufe müssen auf die Substanz der Primärbildung aufbauen können und dürfen ruhig verstehen lernen, wie Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren, wie alles zusammenhängt und welchen Beitrag sie an der ganzen Sache haben werden. Da Lesen, Rechnen, Schreiben, das Beherrschen der Sprache und hohe soziale Kompetenz Vorraussetzungen für ein gelingendes, selbstständiges Leben sind, muss hier ganz gezielt gefördert werden. Ein übergreifendes Fach Entrepreneurship könnte genau diese Aspekte unterstützen und würde gleichzeitig die Weiterentwicklung von schulischen Inhalten bedeuten, die im späteren Leben wertvoll sind. Wirtschaft ist ein Gestaltungsraum, in dem man sich aktiv und auch auf Angebotsseite einbringen und Gesellschaft verbessern kann.

Von der Machtlosigkeit zur Gestaltungslust

Es ist ein riesiger Unterschied, ob man die (Arbeits)-Welt als Welt voller Möglichkeiten sich zu engagieren versteht, oder als System, in dem immer jemand anderes entscheidet, ob man den Job bekommt.

Kinder muss man nicht zu Entrepreneuren erziehen, denn sie sind schon welche. Es geht mehr darum, dass ihr Ideenreichtum und ihre Gestaltungslust bei aller Disziplinierung im Schulalltag nicht verloren gehen. Sie verhalten sich eigentlich nicht wie Angestellte, sie werden dazu gebracht. Wenn sie z.B. immer nur nach Vorschrift arbeiten müssen und nie die Erfahrung machen, dass ihre eigenen Ideen besonders gefragt sind.

Aus mindestens diesen Gründen gehört Entrepreneurship ins Bildungssystem:

  1. Um eine Kultur der Selbstständigkeit zu fördern. Für eine gesellschaftliche Aufwertung von Eigeninitiative und Selbstständigkeit
  2. Damit junge Menschen in die Lage versetzt werden, ökonomisch mündige und aktive Bürger zu sein, die sich selbst zuständig machen können
  3. Um eine „Gestaltermentalität” zu fördern und jungen Menschen das Spektrum ihrer Möglichkeiten aufzufächern
  4. Um Persönlichkeiten zu stärken. Entrepreneurship ist inklusiv! Um Potenziale zu wecken und zu fördern, die abseits von klassischer schulischer Leistung liegen
  5. Weil Entrepreneurship hochspannend ist und sowohl eine persönliche, als auch eine gesellschaftlicher Dimension hat

Ein Fach Entrepreneurship hätte keine Nachteile. Außer natürlich, dass die Stunden im Lehrplan untergebracht werden müssten. Auch Lehrer müssten entsprechend ausgebildet werden. Aber daran sollte es nicht scheitern.

Vielleicht braucht es gar kein eigenes Fach, sondern könnte interdisziplinär gelehrt werden. Sich ein Produkt im Englischunterricht ausdenken? Warum nicht? Sich mit Produktion und Nachhaltigkeit auseinandersetzen? Klar! Arbeitskultur, Selbstbestimmung, Beitrag zur Gesellschaft und Rolle im Sozialstaat — Themen für Gemeinschaftskunde? Chancen und Probleme der Globalisierung in Geografie, eigene Produkte konzipieren und herstellen in WAT etc. (natürlich nicht ausschließlich, aber warum denn nicht?).

Wenn Entrepreneurship als übergreifendes Thema einen Platz bekommt, oder es perspektivisch gar ein eigenes Fach gibt, führt das keinesfalls dazu, dass jeder ein Unternehmen gründen will. Aber jeder lernt, dass es eine Option ist. Und vor allem, dass Jobs, Wohlstand, Lösungen, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, gute Produkte, fairer Handel usw. nicht vom Himmel fallen, sondern es Zusammenhänge gibt und irgendjemand sich dafür zuständig fühlen muss.

Ein Schulfach Wirtschaft dagegen, könnte sich in der Praxis als schwierig erweisen. Schwierig, weil die Gefahr besteht, dass es nicht ideologiefrei vermittelt wird. Schüler würden zwar wirtschaftliche Zusammenhänge kennenlernen, aber nicht ihre eigenen Möglichkeiten selbst eine unternehmerische Rolle dabei einzunehmen. Und damit würde es nicht zu mehr ökonomische Mündigkeit führen, sondern im Zweifel zu noch weniger, wenn Lehrer, denen die Privatwirtschaft vollkommen fremd ist, Schülern ihre von Meinung gefärbte Geschichte vom ausbeuterischen Unternehmer erzählen und sie dazu noch das marktskeptische Schulbuch aufschlagen müssen. Die Geschichte vom Klassenkampf lebt, hilft aber niemandem beim Aufstieg.

Genauso ist es nicht der richtige Weg, wenn Konzern XY Inc. in die Klassenzimmer kommt und sich mit coolen Gadgets und kampagnenartigen „Unterrichtsmaterialien” den eigenen Nachwuchs rekrutiert. Entrepreneurship soll eben nicht einfach der direkte Weg in den Konzern sein, sondern ökonomische Mündigkeit schulen, damit jede und jeder sich frei und ohne Manipulation ausprobieren kann und den hohen Wert der Eigeninitiative und Unabhängigkeit erkennen lernt.

Unabhängigkeit lernen

Mit einem ideologiefrei und unabhängig vermittelten Fach Entrepreneurship kann zudem die Lust an der Gesellschaftsgestaltung geweckt werden. Was spricht gegen eine positiv-gestalterische Grundhaltung zu den eigenen Möglichkeiten? Partizipieren kann nur, wer Zugang hat. Schule kann diesen Zugang vermitteln.

Ziel ist der engagierte Bürger, der sich als Gestalter wahrnimmt und nicht als Bewerber, der immer irgendwo unterkommen muss. Entrepreneure können sowohl engagierte Mitarbeiter sein, als auch Unternehmensgründer werden.

Das ist wahrlich nicht Aufgabe des Bildungssystems allein — schön aber, wenn es hier eine Stellung einnimmt, die dieses Selbstbewusstsein fördert. Jedes Kind darf erfahren, dass Bildung und (praktisches) Wissen die Werte der Unabhängigkeit und des Aufstiegs sind.

Welche Probleme es mit sich bringt, wenn schon das System nicht an den Menschen glaubt und ihn nicht ausreichend zur Unabhängigkeit befähigt, kann man an den Ängsten der Arbeitsgesellschaft ablesen. Überall sind Folgsamkeit, Unterordnung, still sitzen und Aufgaben abarbeiten gefragt. „Ist nicht mein Bereich” und „darf ich nicht entscheiden”, gehören daher auch zum Standardrepertoire in jedem Job, jeder Branche, jeder Hierarchiestufe. Viele Menschen fühlen sich der Wirtschaft gegenüber machtlos und am Arbeitsplatz fremdbestimmt. Für andere besteht die tägliche Arbeit gar aus Angst oder Langeweile.

An Fremdbestimmung und mangelnder Potenzialentfaltung krankt der Mensch, auch wenn die Wirtschaft boomt.

Glaubt wirklich jemand, es ist besser Arbeit und Wirtschaft immer anderen zu überlassen? Nein, wir können nicht früh genug lernen, dass wir einiges selbst besser machen können.

Nun darf Schule auch nicht mit Fächern überfrachtet werden. Neue Fächerwünsche wie Wirtschaft, Programmiersprachen, Ernährung, Lebensführung etc. stehen zur Debatte. Hier muss man sich aber auch fragen, was in den Bereich der schulischen Ausbildung und was in den privaten Bereich der elterlichen Erziehung gehört. Kochen lernen kann man auch Zuhause oder mit Freunden. Programmiersprachen zu lernen ist womöglich weniger essenziell, als viele es derzeit annehmen. Auch wenn die Forderung, dass jeder Code schreiben können sollte, sich wahnsinnig vorausschauend anhört, kann es genauso gut sein, dass die Schul-Basics irgendeiner Programmiersprache bei Schulabschluss schon wieder obsolet geworden sind.

Schule soll den Geist und kritisches Denken anregen, Individualität nicht bestrafen, Kreativität fördern, soziales Miteinander, Offenheit und Experimentierfreude unterstützen. All das könnte sich wunderbar im Fach Entrepreneurship entfalten.

Unternehmerische Schülerprojekte schulen nicht nur die ökonomische Mündigkeit, sondern können auch den Blick auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen lenken. Zudem könnte sich jeder nach seinem Talent und Interesse einbringen — hier ginge es nicht um auswendig lernen oder reproduzieren, sondern darum, die Chance zu bekommen Ideen zu entwickeln und sich nach seinen Möglichkeiten zu entfalten.

In so einem Fach müsste man etwas über die Gesellschaft und seine Mitmenschen lernen und sich für sie interessieren, um sich etwas für sie ausdenken zu können.

Entrepreneurship vernachlässigt keine sozialen Aspekte — im Gegenteil, es kann sogar den Blick darauf schärfen. Schüler lernen zB:

  • Probleme zu identifizieren und kreativ und unternehmerisch zu lösen
  • Innovatives Denken (selbst denken)
  • Gesellschaftliches Engagement
  • Praktische Umsetzung. Eigene Ideen in die Wirklichkeit zu bringen
  • Umgang mit (knappen) Ressourcen
  • Eigenverantwortung und praktische Projekt- und Teamarbeit
  • Kooperation
  • Digitalkompetenz und Kommunikation
  • Umgang mit Ungewissheit, Erfolg und Misserfolg
  • Ökonomische Mündigkeit, Marktverständnis und Spaß an Wettbewerb
  • Sich als Gestalter auszuprobieren

Wer immer noch glaubt, Unternehmertum und zugehörige Gewinnorientierung hieße automatisch die Gier nach Gewinnmaximierung und mangelnde soziale Verantwortung, der bestärkt mich nur in meinem Argument: Dass Unternehmertum und Entrepreneurship eben nicht jenen überlassen werden sollte, die Profite tatsächlich vor gute Produkte und soziale Verantwortung stellen. Warum aber ein Projekt, das der Gesellschaft Lösungen anbietet, nicht als Unternehmen aufgebaut werden sollte, um durch Gewinne unabhängig, anstatt auf Spenden und Subventionen angewiesen zu sein, konnte mir noch niemand plausibel erklären. Muss ein bestimmtes Unternehmerbild sein, das man mal überdenken könnte. Man braucht seine Werte nicht über Bord schmeißen, nur weil man ein Unternehmen gründet, das Gewinne macht.

Entrepreneurship ist inklusiv

Der Bildungserfolg hängt in Deutschland stark vom Elternhaus ab, heißt es. Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit, heißt es. Worüber wir aber hier reden müssen, ist Befähigungsgerechtigkeit. Ich habe das Wort zum ersten Mal gehört, als ich einem Vortrag von Herrn Georg Cremer, ehemaliger Vorstand der Caritas zugehört habe.

Sein Punkt: Chancengerechtigkeit nehme in gewisser Weise in Kauf, dass Kinder aus besser gestellten Familien nun mal bessere Chancen haben. Weil sich die Eltern kümmern. Befähigungsgerechtigkeit hingegen sei „umfassender” und beinhalte, dass Staat und Zivilgesellschaft darauf achten, dass auch Kinder aus sozial schwierigeren Milieus befähigt werden, ihre Potenziale zu entfalten.

Er meint damit nicht Wirtschaftsunterricht und Befähigungsgerechtigkeit beschränkt sich nicht nur auf Kinder. Cremer sagt, „..es geht ja letztlich um ein gelingendes Leben”. Und genau das meine ich auch.

Insbesondere im Hinblick auf ökonomische Bildung und Potenzialentfaltung, würde Entrepreneurship-Förderung einen wichtigen Beitrag zur Befähigungsgerechtigkeit leisten. Viele Schülerinnen und Schüler lernen sonst womöglich nirgends konkret, wie wichtig es ist, eigene Ideen zu entwickeln und wie man sie umsetzen kann. Dass ihre spätere Arbeit ein Beitrag zur Gesellschaft ist, und dass eine gestaltende Lebensweise Türen öffnet — unabhängig vom Elternhaus.*

Ich bin bei dem Gedanken, dass Schule Kinder besser erzieht als Eltern, absolut kritisch. Ich bezweifle zudem, dass es überhaupt möglich ist, im Schulbetrieb zu schaffen, was Zuhause vernachlässigt wird. [1]

Aber was Chancen und Potenziale im Leben angeht, und insbesondere dort, wo Kinder aufgrund ihres Elternhauses eher verhindert als gefördert werden, sind Schule, Verein, Ausbildung, Freundeskreis, ja Zivilgesellschaft gefragt und dürfen auch nicht aufgeben Angebote zu machen.

In einem zeitgemäßen Bildungssystem, würden Schüler dahingehend gefördert werden, sich selbst zu entwickeln und sich für immer neue Zeiten etwas ausdenken zu können.

Schule, Familie, Umfeld und nicht zuletzt man selbst sind für eine umfassende Bildung zuständig. Die Schule könnte wichtige Struktur geben, auch für Kinder, die sonst keinerlei Förderung bekommen und auch das Selbstbewusstsein von Kindern stärken, die in anderen Fächern Schwierigkeiten haben.

Im Unternehmertum zählt die gute Idee. Nicht die (soziale) Herkunft oder körperliche Stärke.

Weil Entrepreneurship nicht nur auf dem Lehrplan fehlt, sondern auch vielen Lehrern vollkommen fremd ist, fehlt auch eine grundsätzliche Offenheit für die Selbstständigkeit. Wer sich heute in Deutschland selbstständig macht, muss damit rechnen, von Ahnungs- und Verständnislosigkeit umzingelt zu sein. Nicht nur im persönlichen Umfeld, nein, auch von ganz oben.

Der Politik fehlt nicht nur das Verständnis, sondern auch die Fantasie für die Wissensgesellschaft, jenseits der Fabrik. Wo nun jahrzehntelang alle zu kleinen Rädern im Getriebe gemacht wurden (Industriegesellschaft) wird es natürlich spannend zu sehen was passiert, wenn das Getriebe bald auch mit sehr viel weniger Rädchen läuft und man nicht mehr nur für andere arbeiten, sondern für sich selbst denken muss (Wissensgesellschaft).

Besonders im Hinblick auf die fortschreitende Automatisierung ist es sinnvoll, Entrepreneurship schon in die Aus- und Schulbildung zu integrieren. Hier geht es um Befähigung. Da braucht es andere „Qualifizierungsmaßnahmen” als nur die, die darauf abzielen Menschen dem Arbeitsmarkt anzupassen. Nämlich jene, die ihn befähigen, Märkte selbst mitgestalten zu können.

Das Bildungssystem und die Lehrkräfte müssen sich dazu dem Entrepreneurship öffnen und das Ganze mehr als gesellschaftliches Engagement und Kunst verstehen, als es irgendeinem kapitalistischen Feinbild zuzuordnen. Entrepreneurship und Ökonomie können außerordentlich spannend vermittelt werden und anhand von interessantem, praktischem Unterricht. Hier sind Lehrkräfte gefragt, die Zukunft und Innovationskultur verstehen. „Bildung ist Entwicklung”, schreibt Wolf Lotter. Das gilt für alle.

Es geht darum Chancen selbst erkennen und sich sogar selbst schaffen zu können — nicht hauptsächlich um Noten und Abschlüsse. Das Konzept von Aufstieg in einer neuen Welt, die bald nicht mehr nur Fleiß und still sitzen belohnt, sondern Kreativität. Egal welchen Beruf Schülerinnen und Schüler einmal ergreifen möchten und wie ihr Bildungsabschluss sein wird, ob sie eine Lehre machen, ein Studium absolvieren, gleich ein Unternehmen gründen oder gar ganz andere Wege gehen: Die Denk- und Handlungsprinzipien des Entrepreneurships werden ihnen überall und in jeder Lebenslage weiterhelfen.

Entrepreneurship und Selbstständigkeit sind Zukunftskompetenzen

Es geht also um Befähigung. Wer mitgestalten will, muss Initiative ergreifen. Wer ein mündiger Bürger sein will, muss auch Ökonomie verstehen. Wäre es nicht Bildungsauftrag, Heranwachsende so gut wie möglich dabei zu unterstützen?

Ist das idealistisch? Natürlich! Aber genau daran fehlt es überall. An einer gesunden Portion Idealismus. Jeder der einen inspirierenden Lehrer hatte, der an seine Schüler glaubte, wird ihn sein Leben lang nicht vergessen und weiß wovon ich rede.

Und warum darf der Anspruch eigentlich nicht hoch sein? Es geht schließlich um etwas. Wirtschaft zu verstehen bedeutet Zusammenhänge zu verstehen und aktiv partizipieren zu können.

Während wir über Automatisierung und das Wegfallen von Jobs diskutieren, bricht die große Zeit für Selbstständige (und ich spreche nicht nur von Firmengründern) grade erst an. Alle reden vom „lebenslangem Lernen” aber was heißt das denn konkret? Sich immer auf den nächsten Job spezialisieren?Wer die Zukunft in die eigenen Hände nehmen will, unternimmt etwas.

Wenn wir kein Interesse daran haben, dann tun wir nichts zur Befähigung junger Menschen, die der Arbeits- und Wirtschaftswelt nicht ausgesetzt sein, sondern sie aktiv mitgestalten sollen.

Schule kann viel mehr, als nur stumpfes Pauken sein. Sie kann Gestalterinnen und Gestalter in die Welt entlassen, die keine Angst vor der Zukunft haben.

Entrepreneurship in den Schulen zu fordern, hat nichts damit zu tun, der „bösen Ökonomisierung” Vorschub zu leisten, sondern damit, die Ökonomie und den Kapitalismus und die ganze Arbeit daran, nicht allein anderen zu überlassen. Wer weiß, was dann daraus wird.


*Ich habe während meines Studiums mit einer Gruppe Mitstudenten einen Dokumentarfilm an einer Gesamtschule in einem so genannten „Problembezirk” in Hamburg-Billstedt gemacht, der im Abaton-Kino lief und später im NDR Programm ausgestrahlt wurde. Es ging um die Chancen und Träume von 15 und 16-jährigen Haupt- und Realschulabgängern. Unter anderem meine Arbeit an dem Film und die Begleitung der Schüler aus teils sehr schwierigen sozialen Verhältnissen hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig der Aspekt der Befähigungsgerechtigkeit ist. Es ist beeindruckend, wie realistisch junge Menschen — egal ob Hauptschüler oder Gymnasiasten — ihr Leben in Angriff nehmen wollen, sofern man sie ernst nimmt und ihnen zutraut in Möglichkeiten zu denken, anstatt in vorherbestimmtes Schicksal.

[1] Ein sehr guter Artikel hierzu ist in der brand eins, Ausgabe 09/2017 Schwerpunkt Bildung erschienen: Molitor, Andreas: Gegen Windmühlen. In: brand eins, 09/2017. Hier Online.

Ich empfehle weiterhin die Bücher:

Faltin, Günter (2008): Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein. Hanser.

Lotter, Wolf (2013): Zivilkapitalismus: Wir können auch anders. Pantheon.

Wenn du Entrepreneurship lernen willst und Unterstützung in deiner Unternehmensentwicklung suchst, arbeite mit uns und Happy New Monday.