Social Learning = Agiles lernen = fit bleiben für den digitalen Wandel

5 keys for a digital mindset, by IESE

Lernen verändert sich. Lehren auch. Weiterbildung wird neu definiert. Viele kluge Menschen schreiben und reden darüber. Viel davon habe ich versucht zu lesen. (Beim wb-web-Portal gibt es ein gutes Dossier dazu.) Tatsächlich habe ich aber erst durch selbst erleben verstanden, was da bei mir gerade passiert und warum meine persönliche Weiterentwicklung aus “Social Learning” besteht. Dies ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, in der ich meine Lernreise mit Euch teilen möchte. Wir fangen mit dem Ende an:

Tatsächlich HAB ich es vorher gewusst. Aber es war mir nicht bewusst. Zwei Buchstaben, große Wirkung. Der obige tweet stammt von einem BarCamp, auf dem ich gelandet bin, weil ich dem Organisator auf twitter gefolgt bin und dies wiederum passierte nur deswegen, weil ich ihn in einem #WorkingOutLoud-Circle auf meine Beziehungsliste gesetzt habe. Das Ziel lautete von Anfang an: “Ich möchte agiles Arbeiten besser verstehen, anwenden und vermitteln können.” Im Nachhinein betrachtet ist die Ironie auffällig, dass ich schon agil auf das Ziel hin gearbeitet habe.

Aber zurück zum Anfang:

Mein Problem oder besser Herausforderung lautet aktuell, dass in meinem Berufsfeld Digitale Kommunikation und Change Management, die Komplexität meiner Aufgaben exponentiell ansteigt. Dies hat mit Netzwerkeffekten einerseits, auch mit notwendigen Übersetzungsleistungen, und mit technologischer Entwicklungsgeschwindigkeit andererseits zu tun. Egal ob Social-Media-Strategie, Website-Entwicklung oder Online-Marketing — ich kann immer weniger vorhersagen, welche Plattformen, Kanäle oder Formate zukünftig wichtig sind oder in welche Richtung ich unsere Strategie weiter entwickeln werde. Es gibt Menschen, die behaupten, Sie können das. Warum ich denen nicht glaube, darüber habe ich hier schonmal geschrieben. Bei komplexen Herausforderungen (und die meisten unserer Projekte sind komplex) kann ich weder die Lösung noch den Weg vorhersagen. Ich war daher auf der Suche nach anderen Methoden — agile Methoden, wie sich herausstellte — und fand mein (soziales) Netzwerk, mit dem ich über den Tellerrand schauen konnte, um diese Fragen auch zukünftig iterativ beantworten zu können.

Wie ich darauf gekommen bin:

Ich habe immer schon soziale Medien genutzt, um mich weiterzubilden. Twitter, um Leute und Inhalte zu finden, von denen ich nicht wusste, dass ich sie hätte suchen müssen. Blogs, um aus den Erfahrungen anderer zu lernen und in der Diskussion mit ihnen meine Arbeit anpassen zu können. YouTube für Tutorials oder Livestreams von Veranstaltungen, bei denen ich nicht vor Ort sein konnte und Hangouts/Webinare mit Interaktionsmöglichkeit.

Erst durch die #WOL-Community bin ich aber darauf gekommen, dass ich diese Art zu lernen, strategisch nutzen könnte und dass es dafür einen Begriff gibt: Social Learning! Noch verblüffter war ich, dass dieser Begriff bis ins 18. Jahrhundert und zu Aufklärern wie Jean-Jaques Rousseau zurück reicht. Erst durch die technologische Entwicklung und Netzwerkeffekte von Social-Collaboration-Tools ist es uns aber möglich geworden, zeit- und ortsunabhängig gemeinsam zu lernen — und dies sogar zu institutionalisieren. Perfekt beschrieben übrigens von beaservices in ihrem Essay “Social Learning und das digitale Zeitalter” (den es leider nicht mehr online gibt):

1. Social Learning ist eine eigene Lerntheorie, die aufgrund der Betonung und Nutzung des kollaborativen Charakters besonders dazu geeignet ist, spezifische Phänomene des digitalen Zeitalters zu erklären und zu nutzen.
2. Social Media bzw. Social Software kann Social Learning in der Praxis enorm unterstützen. Dennoch ist es nicht gleichzusetzen mit Lernen über oder mit Social Media.
3. Grundlegend geht es beim Social Learning darum, die Kommunikationsprozesse derjenigen, die gemeinsam lernen wollen, in den Vordergrund zu stellen, um diese Form von Lernen zu unterstützen.
4. Der große Vorteil von Social Learning ist, dass sich dies gut in bestehende Kollaborationsinfrastrukturen bzw. digitale Plattformen integrieren lässt.
5. Social Learning benötigt keinesfalls die neuesten Tools oder Software. Die didaktische Organisation des Lernprozesses von Gruppen bzw. in einer Community ist das entscheidende Kriterium für Erfolg.

Während ich also dachte, ich lerne durch soziale Medien alleine, war das Gegenteil der Fall: Ich lernte durch die Beiträge anderer, diese wiederum durch das Feedback ihrer Community und andere wiederum durch das Teilen dieses Feedback und was daraus wurde. Bewusst geworden ist dies mir selbst aber erst durch analog-digital gemischte Formate wie BarCamps, auf denen zahlreiche Menschen sich erstmals “in real” treffen, die sich vorher nur digital ausgetauscht hatten.

Bei einem dieser Treffen hatte ich letztes Jahr die Gelegenheit, an einer spontanen Working-out-loud-Einführung von Sabine Kluge und Katharina Krentz teilnehmen zu können. Drei Wochen später war ich Mitglied eines #WOL-Circles mit fünf mir Fremden bzw. virtuellen Bekannten und es fiel mir (und den anderen Teilnehmern) in kürzerster Zeit wie Schuppen von den Augen:

Unsere Arbeit sichtbar machen und verbessern, Beziehungen aufbauen, Beiträge in einem Netzwerk zu leisten und zielgerichtet zusammenzuarbeiten — all das taten wir schon, ohne jemals über die Kraft des Netzwerks nachgedacht zu haben.

Warum mir diese Erkenntnis so viel bedeutet, was WOL mit agilem Arbeiten zu tun hat und warum ich Social Learning für DIE Lernform des digitalen Zeitalters halte, darüber mehr in Teil 2.