Design Sprints: Guide für Neueinsteiger

Alle wichtigen Antworten zu deinen Fragen über Design Sprints.

Semih Aridogan
Aug 10, 2018 · 5 min read

Stell dir vor du bist Architekt und beginnst deine Arbeit an einem neuen Projekt. Das Erste was du holst: Hammer und Betonmischer.

Die Erfolgschancen? Sehr gering. Deshalb beginnt man mit einer ersten Zeichnung oder einem Modell. Daraufhin wird dieser Entwurf dem Endkunden vorgezeigt, um Feedback einzuholen.

Genau den gleichen Fehler machen wir mit unseren eigenen Ideen und Projekten. Wie oft wurden Projekte gestartet und erst nach mehreren Jahren begraben? Dabei investieren wir viel Zeit und Geld, nur um herauszufinden, dass unsere Zielgruppe ein ganz anderes Problem hat. Oder unsere Lösung garnicht für sie geeignet ist.

Der Design Sprint als Kickstarter für Projekte! 🏎

Um das zu umgehen gibt es den Design Sprint — eine Methodik die bei den innovativsten Unternehmen und Startups erfolgreich im Einsatz ist. Darunter Fluglinien wie KLM oder der Spielzeughersteller LEGO. Design Sprints sind für jede Art von Unternehmen und Industrie geeignet.

Bei Strive haben wir zahlreiche Design Sprints erfolgreich begleitet und dabei eine Menge gelernt. In Teil 1 unserer Serie wollen wir euch daher eine Einführung geben.
Was ist überhaupt ein Design Sprint? Für welche Projekte kann man ihn nutzen? Und ist das alles nicht eigentlich Design Thinking?


1. Was ist ein Design Sprint?

Ein Design-Sprint ist ein fünftägiger Workshop (oder viertägiger im Design Sprint 2.0) mit dem Ziel ein Produkt, Prozess oder Service unter realen Verhältnissen zu testen.
Das Erfolgsrezept für Design Sprints ist simpel. Durch Fokus und Geschwindigkeit werden schnell Ergebnisse produziert.

Das Ergebnis jedes Sprints ist ein Prototyp und echtes Nutzer-Feedback. Beim Prototypen handelt es sich um ein echt wirkendes Produkt. Der wird anschließend vom Kunden live und in Farbe kritisch in Augenschein genommen.

Ein Beispiel: Um ein Softwareprodukt zu validieren brauche ich heute keine einzige Zeile Code zu schreiben. Ein einfaches Prototyping Tool wie Sketch oder Adobe XD reicht. Damit kann ich fix ein echt wirkendes Softwareprodukt nachbilden und von meinen Kunden Feedback einholen.


2. Wofür kann man Design Sprints nutzen?

Design Sprints lassen sich für die Entwicklung und Verbesserung von neuen Produkten (z.B. Apps) und für die Lösung von komplexen Herausforderungen nutzen.

💡 Neue Ideen testen: Mit einem Design Sprint testest du neue Produkt oder Service-Ideen und findest heraus wie gut sie wirklich sind.

🛠 Produkte verbessern: Verbessere Funktionen oder entdecke neue Features für bestehende Produkte und mache sie so noch besser für deine User.

🤔 Komplexe Herausforderungen lösen: Beantworte komplexe Fragestellungen wie z.B. “wie kann ich die Lagerzeit meiner Produkte um 30% reduzieren?”

Wir haben Sprints unter anderem für die Vertestung eines Chat-Bots, der Entwicklung eines E-Mobility Sharing-Konzepts, der Entwicklung eines Tools zu Verringerung von Lagerzeiten in der Industrie und der Validierung eines neuartigen Geschenkgutscheins erfolgreich angewendet. Unserer Erfahrung nach sind Design Sprints für unterschiedlichste Fragestellungen geeignet.


3. Was bringt ein Design Sprint für Vorteile?

Der Design Sprint bringt Speed in dein Projekt und spart Ressourcen. Warum? Statt etwas langwierig zu entwickeln und veröffentlichen, wird hier der kürzere Weg gewählt.

Mit einer einfachen Idee oder Fragestellung komme ich innerhalb von fünf Tagen an wertvolles Kundenfeedback und kann dementsprechend die richtigen nächsten Schritte wählen. Statt Monate mit Brainstormings, Meetings und Organisation zu verbringen, reduziert ihr die Arbeit auf das Wesentliche. Hier wird nicht diskutiert, es wird entschieden und getestet.

Einflüsse und Vorteile sieht man auch nach dem Sprint. Meist werden unterschiedliche Elemente in den Arbeitsalltag eingebunden, um z.B. Meetings fokussierter und kürzer zu halten.


4. Wie sieht ein Design Sprint konkret aus?

Bei einem Design Sprint arbeiten die wichtigsten Personen für das Projekt in einem Raum.Ohne Ablenkung.

Das temporäre und meist interdisziplinäre Team arbeitet dann intensiv in einem Hackathon-Modus mit Startup-Spirit. Am Ende steht der sofortige Erkenntnisgewinn und ein Plan für die nächsten Schritte auf dem Weg zum Erfolg.

So könnt ihr euch den Sprint vorstellen:

Tag 1 — Verstehen
Am ersten Tag wird ein gemeinsames Verständnis über das Produkt und die Herausforderung erarbeitet. Hierfür werden Lang-Zeit Ziele, Fokus, Hindernisse und technologisches Know-How definiert.

Tag 2 — Lösungen kreieren
Jedes Teammitglied kreiert eigene Ideen und Lösungen mit Hilfe eines einfachen vierstufigen Prozesses. Dafür ist kein spezielles Wissen notwendig. Die ersten Ideen werden hierbei mit Zeichnungen und Texten festgehalten.

Tag 3 — Entscheiden
An Tag 3 werden die einzelnen Ideen der Teammitglieder vorgestellt und die Besten ausgewählt. Ziel ist es sich auf eine gemeinsame Lösung zu einigen.

Tag 4 — Prototypen erstellen
Innerhalb von ein paar Stunden wird ein real-wirkender Prototyp erstellt. Ohne dabei viel Geld, Zeit oder andere Ressourcen zu investieren. Dabei kommen unterschiedlichste Tools zum Einsatz z.B. Software Prototyping, Broschüren oder Webseiten.

Tag 5 — Validieren
Letzter Tag! Der erstellte Prototyp wird nun fünf potenziellen Kunden vorgestellt und qualitatives Feedback eingeholt. Welche Elemente gefallen? Was geht garnicht? Die Interviewergebnisse werden im Anschluss ausgewertet und nächste Schritte definiert.


5. Was ist der Design Sprint 2.0?

Jake Knapp, der Erfinder des Design Sprints, und die Kollegen von AJSmart haben den Design Sprint weiterentwickelt. Der Design Sprint 2.0 wurde dabei von 5 Tagen auf 4 Tage verkürzt. Änderungen gibt es hier vor allem an Tag 1 und 2 die zusammengelegt werden. Wie der Design Sprint 2.0 genau funktioniert erfahrt ihr hier.


6. Ist das nicht Design Thinking?

Oft werden Design Sprints mit Design Thinking verwechselt. Um es Vorweg zu nehmen: es gibt einen großen Unterschied zwischen beiden Begriffen.

Design Thinking ist ein Mindset und ein Werkzeugkasten. Es enthält mehrere Methodiken, die in unterschiedlichen Stufen des Design Prozesses eingesetzt werden können. Um es einfach zu machen, hier eine Anologie aus der Kochwelt.

Design Thinking sind die Zutaten für ein leckeres Gericht. Damit weiß ich aber noch lange nicht wie ich die Zutaten vearbeite und in welche Reihenfolge ich das Gericht koche.

Der Design Sprint hingegen ist kein Mindset sondern eine Schritt-für-Schritt Anleitung um Ideen zu generieren und zu vertesten. Es ist eine systematische Durchführung verschiedener Methodiken aus dem Design Thinking Werkzeugkasten. Um bei unserer Analogie zu bleiben: Design Sprints sind das konkrete Rezept und helfen mir dabei die Zutaten in der richtigen Reihenfolge zu verarbeiten.


7. Wofür ist ein Design Sprint nicht geeignet?

Der Design Sprint eignet sich nicht, um die UX oder Machbarkeit eines Produkts zu testen. Dafür gibt es bessere Werkezuge wie AB-Testing oder Tracking. Darüber hinaus ist der Sprint nicht für neue Produkte geeignet bei denen schon klar ist wie sie am Ende aussehen oder starke technische Einschränkungen haben.


Wir hoffen der Guide hat dir geholfen! Wenn du weitere Fragen hast und mehr über Design Sprints wissen willst nutze die Kommentarfunktion oder melde dich via E-Mail: semih@strivestudio.de.

✌️ Semih


Semih ist Gründer von Strive, einer Agentur für Digitale Innovation und Produkt-Design. Folge ihm auf Twitter, oder erfahre mehr auf strivestudio.de.


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Semih Aridogan

Written by

Design Sprint coach and founder of Strive, a new work studio.

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