Titel eines Handbuchs der Technischen Nothilfe von 1925. In der Mitte das Logo der TN mit Hammer und Zahnrad.

Die Technische Nothilfe — Vom Freikorps zum THW

Teil I. Revolution

Diese kleine Textreihe basiert auf den Informationen aus dem sehr empfehlenswerten Werk von Andreas Linhardt: Die Technische Nothilfe in der Weimarer Republik. Norderstedt 2006.

Die anderen Teile der Serie: Teil II. / Teil III. / Teil IV.

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ist einer den zentralen Pfeiler des Katastrophenschutzes in Deutschland. Das THW ist eine bekannte und unumstrittene Einrichtung. Wenig bekannt ist die Geschichte der Organisation, die 1950 durch Otto Lummitzsch in Rücksprach mit dem damaligen Innenminister Gustav Heinemann aufgebaut wurde.

Noch weniger ist bekannt, dass das THW eine Vorgängerorganisation hatte, deren Gründer eben jener Otto Lummitzsch war. Auch durch weitere Personalien, Struktur, Aufgabenfelder und Traditionspflege lässt sich die organisatorische Kontinuität erkennen.

Die „Technische Nothilfe“, kurz TN oder auch „Teno“ genannt, war eine der mitgliedsstärksten, schlagkräftigsten und umstrittensten Organisationen der Weimarer Republik. In vielem ist sie damit das genaue Gegenteil des THW und so verwundert es nicht, dass auf der Internetseite des THW nichts über die TN zu lesen ist.

Der Ursprung der Technischen Nothilfe liegt in den Wirren der Revolution und des Bürgerkrieges von 1918/19. Die SPD geführte Regierung hatte sich mit den Resten der Obersten Heeresleitung verbündet und billigte den Aufbau von Freiwilligenverbänden, sogenannten Freikorps, aus ehemaligen Soldaten und Ungedienten durch Offiziere und Privatleute.

Diese sollten die Regierung gegen Umsturzversuche schützen und wurden vor allem gegen linksradikale Kräfte eingesetzt. In Berlin waren die Freikorps zur „Garde-Kavallerie-Schützen-Division“ (GKSD) zusammengeschlossen. Diese spielte die zentrale Rolle bei der Niederschlagung des Spartakusaufstandes, der am 30. Dezember 1918 losbrach und in dessen Verlauf die GKSD Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordete.

Der Leutnant Otto Lummitzsch diente während des Krieges im Stab der ersten deutschen Einheit, die speziell für den Gaskrieg aufgestellt wurde. Dort knüpfte Lummitzsch Kontakte zu zentralen Stellen und wichtigen Personen, wie etwa zu Fritz Haber, Nobelpreisträger und zentrale Figur des deutschen Gaskrieges. Nach dem Krieg diente der Pionier Lummitzsch dann in der „Garde-Kavallerie-Schützen-Division“. Dort schlug er die Aufstellung einer sogenannten „Technischen Abteilung“ (TA) vor.

Die Idee der TA wurde aus der Erkenntnis geboren, dass eine Industriegesellschaft durch Streiks in wichtigen Betrieben angreifbar war. So konnten Streiks der Arbeiter in Kraftwerken die Stromversorgung unterbinden und das öffentliche Leben damit weitgehend zum Erliegen bringen.

Die Kommunisten wollten solche Streiks dazu nutzen, ihre politischen Ziele durchzusetzen. Gegen dieses Risiko politischer Streiks, aber auch gegen unverhältnismäßige Lohnstreiks, sollten die TA, und später auch die TN, vorgehen.

Die Soldaten der TA sollten in bestreikte Betriebe einrücken, unter dem Schutz anderer Verbände, und zumindest einen Notbetrieb aufrechterhalten. Die TA sollte ein Machtmittel der Regierung gegen politische Streiks und letztlich gegen Kommunistische Umsturzversuche sein.

Die erste wirkliche Bewährungsprobe waren die Kämpfe in Berlin Anfang März 1919. Gustav Noske, in der Reichsregierung zuständig für das Militär, verhängte den Belagerungszustand über Berlin und wies die Freikorps an, die Stadt unter Kontrolle zu bringen.

Bei den schweren Kämpfen kamen mehrere hundert Menschen ums Leben. Die TA, inzwischen 6 Kompanien, wurde in einem Elektrizitätswerk in Charlottenburg eingesetzt, um dieses in Betrieb zu halten. Erstmals wurden mit einer technischen Zeitfreiwilligen-Formation so etwas wie ehrenamtliche Helfer eingesetzt.

Diese Zeitfreiwilligen waren Leute, welche keine Freikorps-Angehörige waren, sondern sich nur für einen bestimmten Zeitraum bereiterklärt hatten, bei der TA mitzuwirken.

Die TA wurde in der folgenden Zeit häufig bei verschiedenen Streiks eingesetzt. Ende Juli 1919 wurde die TA mit ihren inzwischen 1100 Mann in die vorläufige Reichswehr überführt. Ab Mai 1919 wurden ähnliche technische Truppen auch andernorts aufgebaut. Dies war etwa im Rahmen des Hochschulbataillons der TH Braunschweig der Fall. Diese waren die Vorläufer und Ideengeber für die rein von Freiwilligen getragene Technische Nothilfe.

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